Die TV-Nutzung in Deutschland verschiebt sich weiter Richtung Internet. Laut dem aktuellen Zattoo TV-Streaming Report 2026 empfangen inzwischen 54 Prozent der Haushalte Fernsehen online. Dazu zählen sowohl IPTV-Angebote als auch klassische TV-Streaming-Dienste.
Besonders auffällig: TV-Streaming soll erstmals Kabel als wichtigsten einzelnen Empfangsweg abgelöst haben. 31 Prozent der Haushalte geben laut der Umfrage an, Streaming als primären Zugang zum Fernsehprogramm zu nutzen. Kabel landet bei 23 Prozent, Satellit bei 22 Prozent und IPTV bei 19 Prozent.
Das zeigt vor allem eins: Streaming ist längst kein Zusatzangebot mehr, sondern entwickelt sich für viele Haushalte zur Hauptplattform für Fernsehen.
Die Technik ist nicht mehr das Problem
Noch vor wenigen Jahren galt TV-Streaming für viele als kompliziert oder unzuverlässig. Genau diese Hürden verlieren laut Zattoo inzwischen deutlich an Bedeutung.
Weniger Menschen empfinden Streaming als zu teuer. Auch Sorgen über instabile Internetverbindungen oder eine komplizierte Einrichtung spielen kaum noch eine Rolle. Stattdessen entsteht ein neues Problem: Orientierung.
Zum ersten Mal nennen Nutzer die Vielzahl an Apps, Plattformen und Abomodellen als echte Hürde. Das passt zur aktuellen Entwicklung des Streaming-Markts. Inhalte verteilen sich auf immer mehr Anbieter, exklusive Serien wechseln zwischen Plattformen und Sportrechte werden zunehmend fragmentiert.
Die Herausforderung verschiebt sich damit weg von der Technik hin zur Übersichtlichkeit.
Smart-TVs werden zur zentralen Streaming-Plattform
Streaming findet längst nicht mehr nur auf Smartphones oder Tablets statt. Der Smart-TV entwickelt sich zunehmend zum Mittelpunkt der Nutzung im Wohnzimmer.
67 Prozent der Befragten streamen TV-Inhalte direkt über einen Smart-TV. Andere Geräte liegen deutlich dahinter. Smartphones, Tablets oder Laptops spielen zwar weiterhin eine Rolle, ersetzen den klassischen Fernseher aber nicht.
Das erklärt auch, warum klassische Sender und Streaming-Dienste ihre Apps inzwischen stärker auf die TV-Oberfläche optimieren. Nutzer erwarten dieselbe Einfachheit wie früher beim linearen Fernsehen - nur flexibler.
Live-TV bleibt überraschend stabil
Trotz Netflix, YouTube und On-Demand-Angeboten bleibt Live-TV relevant. Laut der Umfrage wächst sogar die Nutzung von Live-TV über Streaming-Plattformen weiter.
36 Prozent nutzen inzwischen lineares Fernsehen über das Internet. Gleichzeitig glauben 76 Prozent der Befragten, dass sie auch in fünf Jahren noch klassisches Live-TV konsumieren werden.
Das deutet darauf hin, dass Streaming das traditionelle Fernsehen nicht komplett ersetzt, sondern zunehmend dessen technische Infrastruktur übernimmt.
Nutzer wechseln flexibler zwischen Diensten
Ein weiterer Trend: Streaming-Abos werden kurzfristiger genutzt. Immer mehr Menschen buchen Dienste gezielt nur für einzelne Serien, Filme oder Sportevents und kündigen anschließend wieder.
Parallel bleibt der Preisdruck spürbar. Ein Teil der Nutzer hat im vergangenen Jahr Streaming-Abos aus Kostengründen beendet oder ist auf günstigere Angebote gewechselt.
Der Markt wird dadurch dynamischer. Statt langfristiger Bindung setzen viele Nutzer inzwischen auf flexible Kombinationen aus mehreren Diensten, kostenlosen Angeboten und zeitweisen Abos.
Die Zahlen bleiben umstritten
Ganz unumstritten sind die Ergebnisse allerdings nicht. Die AGF-Plattformstudie 2025/II kommt zu deutlich anderen Werten.
Dort steigt der Anteil internetbasierter TV-Haushalte zwar ebenfalls, liegt aber mit 17,7 Prozent weiterhin klar hinter Satellit und Kabel. Satellit bleibt laut AGF mit über 43 Prozent der meistgenutzte Empfangsweg in Deutschland.
Der Unterschied zeigt vor allem, wie stark Ergebnisse von Methodik und Definitionen abhängen. Zattoo kombiniert IPTV und Streaming-Angebote sehr breit, während andere Studien strenger zwischen klassischem Fernsehen und Online-Angeboten unterscheiden.
Unabhängig von den exakten Zahlen ist der Trend aber klar sichtbar: Fernsehen verlagert sich zunehmend ins Internet - nur langsamer und differenzierter, als manche Streaming-Anbieter es gerne darstellen.
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