Immich 3.0 ist offiziell erschienen und bringt das bisher größte Update der selbstgehosteten Fotocloud seit längerer Zeit. Die neue Version richtet sich klar an Nutzer, die ihre Fotos nicht Google Fotos, Apple iCloud oder Amazon Photos überlassen wollen, aber trotzdem Komfort erwarten: automatische Backups, gute Suche, mobile Apps, Weboberfläche und jetzt deutlich mehr Werkzeuge für Verwaltung, Bearbeitung und Video.
Für die meisten normalen Nutzer soll das Update laut Release-Hinweisen wie gewohnt laufen. Wer aber Drittanbieter-Tools nutzt, eigene Integrationen gebaut hat oder direkt mit der API arbeitet, sollte vorher die Migration prüfen. Viele Änderungen betreffen API-Endpunkte und interne Strukturen.
Das Update ist einfach, aber nicht blind machen
Wer Immich per Docker Compose betreibt, muss in der .env-Datei die Version auf v3 setzen und anschließend die Container aktualisieren. Konkret wird aus IMMICH_VERSION=v2 jetzt IMMICH_VERSION=v3. Danach laufen die üblichen Befehle: docker compose pull && docker compose up -d.
Trotzdem gilt: Vorher Backup machen. Gerade bei einer privaten Fotobibliothek ist das keine Formalität. Immich verwaltet Erinnerungen, Metadaten, Alben und Originaldateien. Ein Update auf eine neue Hauptversion sollte deshalb nie ohne Datenbank-Backup und saubere Sicherung der Medienordner passieren.
Mobile Bildbearbeitung wird endlich sauberer
Eine der wichtigsten Neuerungen ist die nicht-destruktive Bildbearbeitung in der mobilen App. Bisher arbeitete die mobile Bearbeitung anders als die Webversion und erzeugte neue Assets. Mit Immich 3.0 zieht die App nach: Du kannst Fotos auf dem Smartphone zuschneiden, drehen und anpassen, ohne die Originaldatei anzutasten.
Das ist für den Alltag ein großer Schritt. Du kannst ein Bild unterwegs bearbeiten, später im Web weiter anpassen und bei Bedarf Änderungen zurücknehmen. Einige ältere Mobile-Editor-Funktionen fehlen allerdings vorerst, darunter das Bearbeiten von Live Photos, lokale Assets und Recoloring. Diese Funktionen sollen später teilweise zurückkommen.
Workflows bringen Automatisierung in die Fotobibliothek
Mit Immich 3.0 startet außerdem eine erste Vorschau auf Workflows. Damit kannst Du Aktionen in Deiner Bibliothek automatisieren. Das System arbeitet mit Triggern, Filtern und Aktionen, die sich in einem Drag-and-drop-Editor zusammenbauen lassen.
Der Nutzen liegt auf der Hand: Statt immer wieder dieselben Verwaltungsaufgaben manuell zu erledigen, kannst Du Regeln bauen. Die Funktion ist noch eine Preview, aber sie zeigt, wohin Immich will. Die Plattform entwickelt sich von einer Fotogalerie zu einem Werkzeug, das große private Bildarchive aktiv organisieren kann.
Backups laufen zuverlässiger im Hintergrund
Für viele Nutzer ist das Smartphone-Backup der wichtigste Immich-Job. Genau hier setzt Version 3.0 an. Android nutzt jetzt einen neuen periodischen Task-Scheduler. Dadurch soll die App nicht nur neue Fotos, sondern auch größere Bibliotheken zuverlässiger im Hintergrund hochladen können. Gleichzeitig warnt Immich, wenn Akkuoptimierung oder Benachrichtigungseinstellungen Backups stören.
Auch iOS bekommt Verbesserungen. Dort laufen Hintergrund-Sync und Upload nun parallel, damit die App das kurze Zeitfenster für Background Refresh besser nutzt. Das klingt technisch, löst aber ein praktisches Problem: Fotos sollen hochgeladen werden, ohne dass Du ständig die App offen halten musst.
Integritätschecks helfen gegen stille Datenprobleme
Sehr relevant für Selfhoster sind die neuen Integritätsberichte. Immich kann seine Verzeichnisse auf dem Dateisystem mit den Einträgen in der Datenbank vergleichen. Dabei erkennt das System ungetrackte Dateien, fehlende Dateien und Prüfsummenfehler.
Das ist kein Glamour-Feature, aber wahrscheinlich eines der wichtigsten Updates für langfristige Nutzung. Wer mehrere Terabyte Fotos selbst hostet, braucht Werkzeuge, die stille Fehler sichtbar machen. Ein defektes Laufwerk, ein falscher Rename oder eine beschädigte Datei fällt so eher auf, bevor aus einem kleinen Problem ein großer Datenverlust wird.
Video wird moderner
Immich 3.0 bringt außerdem HLS und Echtzeit-Transcoding als Preview. Videos können damit bei Bedarf direkt beim Abspielen transcodiert werden, ohne dass vorher zwingend Offline-Transcodes erzeugt werden müssen. Das kann Speicher sparen und die Wiedergabe auf unterschiedlichen Geräten verbessern.
Ganz fertig ist diese Funktion noch nicht. Sie ist experimentell, aktuell vor allem im Web umgesetzt und braucht je nach Videomaterial ordentlich Serverleistung. Hardwarebeschleunigung ist deshalb klar empfehlenswert. Zusätzlich bekommt die Web-App einen neuen eigenen Videoplayer mit einheitlicheren Bedienelementen.
Kleine Funktionen, die den Alltag verbessern
Neben den großen Änderungen gibt es viele praktische Ergänzungen. Die neue Ansicht „Recently Added“ sortiert Medien danach, wann sie zu Immich hinzugefügt wurden, nicht wann sie aufgenommen wurden. Das hilft besonders nach großen Imports.
Auf Mobilgeräten gibt es jetzt Slideshow, OCR direkt in der App, Uploads direkt in Alben und die Möglichkeit, beim Teilen die Bildgröße auszuwählen. Android kann Immich außerdem als Galerie-App öffnen, wenn Du ein Bild oder Video aus einer anderen App heraus anzeigen willst.
Für wen sich Immich 3.0 lohnt
Immich 3.0 ist besonders spannend für Nutzer, die das System bereits produktiv einsetzen und mehr Kontrolle über große Bibliotheken brauchen. Die neuen Integritätschecks, besseren Backups und Workflow-Grundlagen sind genau die Funktionen, die eine private Fotocloud langfristig verlässlicher machen.
Wer viele API-Integrationen, externe Tools oder spezielle Setups nutzt, sollte vorsichtiger aktualisieren und zuerst die Migration lesen. Für alle anderen ist Immich 3.0 vor allem ein Signal: Die Google-Fotos-Alternative wird erwachsener, ohne ihren Selfhosting-Kern aufzugeben.
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