Tiktok US-Sale: Die sensiblen Daten - und die neue Ironie der Angst

Christian Palm • 24.01.2026
3 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Nach dem Verkauf von Tiktoks US-Geschäft blicken Nutzer auf die neuen Datenschutzrichtlinien.
TikTk-App auf einem iPhone

Nach mehr als einem Jahr zähen Ringens hat das US-Geschäft von Tiktok endlich neue Eigentümer gefunden. Software-Gigant Oracle und der Unternehmer Michael Dell gehören nun zu den Gesichtern hinter der beliebten App. Viele Nutzer blicken jetzt genauer auf die Nutzungs- und Datenschutzbedingungen, die sie vielleicht lange ignoriert haben. Dabei sorgt besonders eine Passage zur Erfassung von Staatsbürgerschaft und Einwanderungsstatus für einige hochgezogene Augenbrauen.

Die Geschichte dahinter ist bekannt: Die US-Regierung, unter Joe Biden und auch schon Donald Trump, sah in der chinesischen App ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Man befürchtete, Peking könnte Zugriff auf Nutzerdaten erhalten oder die Plattform zur politischen Einflussnahme nutzen. Bidens Gesetz zwang den Mutterkonzern Bytedance zum Verkauf der US-Vermögenswerte bis Januar 2025, sonst hätte ein Verbot gedroht. Ironischerweise war es Trump, der nach einer anfänglich harten Linie die Fristen mehrfach verlängerte, um den Verkauf zu ermöglichen. Die Reaktion der US-Nutzer auf den Abschluss des Deals ist übrigens eher verhalten.

Im Zuge des Verkaufs haben die US-Nutzer eine In-App-Mitteilung über aktualisierte Datenschutzrichtlinien erhalten. Dort wird unter anderem erwähnt, dass Tiktok sensible Informationen wie sexuelle Orientierung, Geschlecht, Staatsbürgerschaft, Einwanderungsstatus, Religion, psychische Gesundheit oder finanzielle Verhältnisse verarbeiten kann. Klar, das lässt einige aufhorchen. Doch das ist kein neues Phänomen, auch wenn es jetzt besonders viel Aufmerksamkeit bekommt.

Tatsächlich dienen diese Angaben primär der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, wie sie beispielsweise der kalifornische Consumer Privacy Act (CCPA) vorschreibt. Dieses Gesetz verlangt von Unternehmen, transparent offenzulegen, welche Arten sensibler personenbezogener Daten sie erfassen oder verarbeiten könnten. Vergleichbare Hinweise findest du auch in den Datenschutzrichtlinien vieler anderer sozialer Netzwerke. Tiktok hat schon in älteren Versionen seiner Richtlinien auf diese spezifischen Kategorien hingewiesen.

Dass gerade jetzt die Passagen zu Staatsbürgerschaft und Einwanderungsstatus so sensibel wahrgenommen werden, hat einen direkten Bezug zur aktuellen politischen Lage in den USA. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hat im Oktober 2023 ein Gesetz unterzeichnet, das diese Informationen explizit in die Kategorie der sensiblen personenbezogenen Daten aufnimmt. Vor dem Hintergrund der verschärften Einwanderungskontrollen unter der Trump-Regierung und den teils gewaltsamen Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE erscheinen diese Sorgen nicht unbegründet. Schließlich wurde schon in der Vergangenheit darüber diskutiert, dass Apps, die vor ICE-Razzien warnen, verboten werden könnten.

Das Teilen persönlicher Inhalte in sozialen Netzwerken birgt immer Risiken. Plattformen sammeln eine riesige Menge an Daten, und Regierungen können per Gesetz Zugriff darauf verlangen. Das ist nichts Neues. Die eigentliche Ironie hier ist, dass die Sorge vieler Menschen in den USA sich nun weniger gegen eine mögliche Überwachung durch China richtet, sondern verstärkt gegen Eingriffe und den Zugriff der eigenen Regierung.

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