Was sich lange anbahnte, ist jetzt durch: TikToks US-Geschäft läuft ab sofort unter der TikTok USDS Joint Venture LLC. Damit ist die Unsicherheit erstmal vorbei - du erinnerst dich an die ganzen politischen Debatten und Forderungen nach Abspaltung oder gar einem Verbot. Die Vereinbarung, die schon im Dezember durchsickerte, ist jetzt offiziell - und das mit Segen von den USA und China.
Was bedeutet das konkret für ByteDance, den bisherigen Eigentümer? Nun, sie halten nur noch 19,9 Prozent an diesem neuen Gebilde. Der große Rest - 80,1 Prozent - geht an diverse Investoren. Die drei Haupt-Investoren sind dir vielleicht schon bekannt: Silver Lake, Oracle und MGX aus Abu Dhabi. Die halten jeweils 15 Prozent. Dazu kommen noch ein paar kleinere, zum Beispiel die Investmentfirma von Michael Dells Familie. Diese neue Struktur war übrigens kein Zufall: Sie ist die direkte Folge eines Gesetzes, das Präsident Biden 2024 unterzeichnete. Das zwang ByteDance quasi dazu, sich zu trennen, um ein komplettes Verbot in den USA zu vermeiden.
Die offizielle Pressemitteilung zur Transaktion verriet zwar keine Details zu den Kosten der Anteile oder ob es bald eine neue App in den USA gibt. Aber sie hat gezeigt, welche Apps und Dienste unter die Aufsicht des Joint Ventures fallen: Neben TikTok sind das auch der Video-Editor CapCut, Lemon8 und "ein Portfolio" weiterer Apps und Dienste. Der Fokus des JV liegt klar auf: "umfassende Datenschutzmaßnahmen, Algorithmus-Sicherheit, Content-Moderation und Software-Assurance für US-Nutzer".
Was wir schon genauer wissen, betrifft die Führungsebene: Shou Zi Chew, der CEO von TikTok US, sitzt im siebenköpfigen Vorstand. Adam Presser, zuvor Head of Operations und Trust & Safety bei TikTok, übernimmt jetzt den CEO-Posten des Joint Ventures.
Die TikTok USDS Joint Venture hat ein superklares Mandat: Sie soll die US-Nutzerdaten, Apps und den Algorithmus absichern - mit umfassenden Datenschutz- und Cybersicherheitsmaßnahmen. Die US-Nutzerdaten landen dafür in Oracles sicherer US-Cloud. Ein umfassendes Datenschutz- und Cybersicherheitsprogramm, das von Drittanbietern auditiert und zertifiziert wird, läuft parallel dazu. Wichtige Industriestandards wie NIST CSF, 800-53 und ISO 27001 sind dabei natürlich Pflicht.
Auch der Empfehlungsalgorithmus wird nicht vergessen: Er wird innerhalb der Oracle US-Cloud neu trainiert, getestet und aktualisiert - ausschließlich mit US-Nutzerdaten. Bei der Software-Sicherung geht es um Protokolle, die ständige Überprüfung und Validierung des Quellcodes der US-Apps. Hier ist Oracle der "Trusted Security Partner", der das unterstützt. Die Entscheidungshoheit für Vertrauenswürdigkeits-, Sicherheitsrichtlinien und Content-Moderation liegt ebenfalls beim Joint Venture.
Gleichzeitig soll die Interoperabilität sichergestellt werden. US-Nutzer sollen ja weiterhin ein globales TikTok-Erlebnis haben, damit Creator und Unternehmen auch global agieren können. Die globalen US-Einheiten von TikTok kümmern sich um diese Interoperabilität und um kommerzielle Aktivitäten wie E-Commerce und Werbung.
Im Grunde ist das eine ganz schön aufwendige Konstruktion. Sie soll den politischen Forderungen nach Datensouveränität und Algorithmus-Kontrolle gerecht werden. Man könnte es als Trennung von Kopf und Körper sehen: Der globale Konzern führt die Marke TikTok zwar weiter, aber der kritische US-Teil steht unter strenger lokaler Aufsicht.
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