Du stehst an der Kasse, zückst dein Smartphone, öffnest die App - ein Standardritual beim Einkauf geworden. Egal ob Lidl Plus, REWE oder Kaufland, die Händler wollen dich digital an die Kette legen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat sich das genauer angesehen und einen Bericht veröffentlicht, der zwar keine bahnbrechenden Überraschungen liefert, aber trotzdem spannende Einblicke bietet.
Die Strategie der Händler geht offenbar voll auf. Eine repräsentative Befragung zeigt, dass beeindruckende 78 Prozent der Menschen solche Apps nutzen. Der Clou dabei ist der psychologische Effekt, denn zwei Drittel der Nutzer haben in den letzten zwei Jahren Produkte in den Warenkorb gepackt, die sie sonst vielleicht nicht gekauft hätten. Alles nur, um an bestimmte Rabatte oder Angebote zu kommen. Ein klassisches Lockangebot, das funktioniert.
Genau hier setzt die Kritik der Verbraucherschützer an. Sie sehen darin eine gezielte Beeinflussung des Einkaufs- und Ernährungsverhaltens. Du gibst deine Daten preis und wirst im Gegenzug zu bestimmten Kaufentscheidungen animiert. Die Forderung ist klar: Ein Verbot von Profilbildungen zu Werbezwecken und Schluss mit manipulativen Designs. Dazu zählen Elemente wie Rabattstufen oder Gewinnspiele, die du sonst eher aus dem Online-Handel kennst. Diese „Gamification“-Tricks sollen dich länger in der App halten. Viele Nutzer haben zwar das Gefühl, jedes Mal zu sparen, aber die Realität sieht oft anders aus.
Wer sein Smartphone nicht zücken oder persönliche Daten wie Name und Geburtsdatum nicht preisgeben will, schaut bei exklusiven Rabatten buchstäblich in die Röhre. Knapp 30 Prozent der Nicht-Nutzer verzichten bewusst aus Datenschutzgründen auf die Installation. Das empfindet die Verbraucherzentrale als unfair. Gerade in Zeiten hoher Lebensmittelpreise sollten Rabatte für alle zugänglich sein, ohne Registrierung oder Datenweitergabe. Ein aktuelles Verfahren läuft sogar gegen Lidl, weil der Discounter seine App als „kostenlos“ bewirbt, obwohl du faktisch mit deinen Daten bezahlst. Die zugrundeliegende Befragung umfasste übrigens 1.000 Internetnutzer. Für die Verbraucherzentrale ist klar: Die Zeit der unregulierten Datenjagd muss enden.
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