Das Saturn-Sterben: Wenn das Orange langsam verblasst

Michi Neumann • 13.01.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Saturn schrumpft auf 53 Filialen, während MediaMarkt dominiert. Trotz JD.com-Einstieg deutet alles auf das Ende der Zwei-Marken-Strategie bei Ceconomy hin.
kleiner Spielzeugladen mit grünem Hintergrund

Das Ende von Saturn scheint besiegelt. Während Ceconomy offiziell an zwei Marken festhält, sprechen 53 verbliebene Märkte gegen 351 MediaMarkt-Filialen eine deutliche Sprache. Die Marke Saturn ist faktisch auf dem Rückzug, während der Mutterkonzern seine Präsenz in den deutschen Innenstädten radikal bereinigt. Wo früher „Geiz ist geil“ als Schlachtruf durch die Gänge hallte, prangt heute immer öfter das rote Logo der Schwestermarke.

Der Umbau folgt einer Logik, die man bei Ceconomy gern hinter Standortanalysen und Wettbewerbsfaktoren versteckt. In der Realität werden bestehende Saturn-Häuser schlicht umgefärbt. Da sich Sortiment und Preise ohnehin bis zur Unkenntlichkeit angeglichen haben, merkt der Kunde beim Kauf der neuen Waschmaschine meist gar nicht, dass er eigentlich nur die Kulisse gewechselt hat. Dass Saturn mittlerweile zu einem rein deutschen Phänomen geschrumpft ist, während in elf anderen europäischen Ländern längst die Ein-Marken-Strategie mit MediaMarkt gefahren wird, unterstreicht die Richtung der Reise.

Interessant wird die Dynamik durch den neuen Mehrheitseigner JD.com. Der chinesische Handelsriese mit einem Jahresumsatz von fast 159 Milliarden US-Dollar hat sich fast 60 Prozent der Anteile gesichert. Während das Bundeskartellamt den Deal bereits durchgewinkt hat, stehen die Freigaben durch das Bundeswirtschaftsministerium und die EU noch aus. Man rechnet intern mit einem Abschluss in der ersten Jahreshälfte.

Offiziell beteuert auch der neue Investor, an der Zwei-Marken-Strategie festhalten zu wollen. Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass ein global agierender Gigant wie JD.com ausgerechnet in Deutschland zwei identische Konzepte mit unterschiedlichen Namen mitschleppen will, wenn die nackten Zahlen eine so klare Sprache sprechen. Saturn wird vermutlich weiter Federn lassen, bis die Marke irgendwann nur noch als nostalgische Fußnote in der Geschichte des deutschen Einzelhandels existiert.

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