Es ist erst ein paar Monate her, dass Amazon 14.000 Stellen gestrichen hat. Wer dachte, Andy Jassy hätte damit seinen Frühjahrsputz erledigt, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Berichten zufolge steht die nächste Welle unmittelbar bevor, und sie könnte den Kahlschlag auf insgesamt 30.000 Stellen im laufenden Zyklus heben. Das ist für Amazon-Verhältnisse historisch, selbst wenn man die 27.000 Entlassungen aus dem Jahr 2022 im Hinterkopf behält.
Interessant ist dabei weniger die bloße Zahl, sondern das Zielprofil. Es trifft nicht die Logistikzentren, wo die physische Arbeit erledigt wird, sondern die Büroetagen. Jassy hat ein klares Feindbild ausgemacht: die "Bürokratie-Sperre". Wenn ein Konzern so groß wird wie Amazon, verbringen Manager oft mehr Zeit damit, sich gegenseitig Powerpoints zu zeigen, als Produkte zu entwickeln. Der CEO will das Verhältnis von Individual Contributors zu Managern massiv verschieben. Weniger Aufpasser, mehr Macher - so lautet die Devise.
Finanzielle Not oder der vielzitierte KI-Ersatz scheinen hier nicht die primären Treiber zu sein. Es geht vielmehr um eine kulturelle Rosskur. Die 90-Tage-Frist der letzten Entlassungsrunde läuft am 26. Januar aus, was den Zeitplan für die neue Welle recht plausibel macht. Wer im Tech-Sektor arbeitet, weiß, dass solche "Verschlankungen" oft ein zweischneidiges Schwert sind. Man gewinnt zwar an Geschwindigkeit, verliert aber auch institutionelles Wissen, das sich nicht so einfach in einer Übergabedatei speichern lässt.
Wenn man die nackten Zahlen betrachtet, klingen 30.000 Stellen bei einer Belegschaft von über 1,5 Millionen fast vernachlässigbar. Doch blickt man auf die Corporate-Struktur, sprechen wir über fast zehn Prozent der Belegschaft. Das ist ein chirurgischer Eingriff am offenen Herzen der Verwaltung. Ob Amazon dadurch wieder den Spirit eines Startups bekommt oder einfach nur eine überlastete Rumpfmannschaft zurückbleibt, wird sich in den nächsten Quartalszahlen zeigen.
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Luccas
25.01.2026 - 22:31 Uhr