Das offene Internet? Schön wär's. Im aktuellen Streit um die Deutsche Telekom zeigt sich einmal mehr, wie leicht sich Ideale verbiegen lassen, wenn genug Geld im Spiel ist. Verbraucherschützer werfen dem Konzern vor, absichtlich Engpässe im Netz zu schaffen, um sich Überholspuren teuer bezahlen zu lassen - bevorzugt von finanzstarken Diensten wie Meta.
Hintergrund sind sogenannte Interconnect-Abkommen: Wer zahlt, darf am Datenstau vorbeirauschen. Wer nicht, bleibt hängen. Laut Barbara van Schewick, Professorin für Internetrecht an der Stanford-Universität, ein glasklarer Verstoß gegen die Regeln der Netzneutralität - und ein Angriff auf die Grundidee eines offenen Internets.
Die Beschwerden häufen sich. Hunderte Telekom-Kunden meldeten, dass bestimmte Dienste nur schleppend oder gar nicht laden. Der Funke zur Eskalation: Meta kündigte im September 2024 das Peering mit der Telekom und kritisierte “beispiellose” Gebührenforderungen. Während die Telekom betont, alles sei rechtlich sauber und Meta stelle die Dinge nur falsch dar, wirkt das Vertrauen bei vielen Nutzern längst schwer angekratzt.
Dabei geht es nicht nur um technische Details. Wenn Großkonzerne entscheiden können, wer schnell ins Netz kommt und wer nicht, wird das Internet endgültig zum Luxusgut. Netzneutralität verkommt zur hohlen Floskel, während sich die Datenströme nach Kassenlage richten.
Ob die Bundesnetzagentur einschreiten wird? Offen. Aber wer genau hinschaut, erkennt: Hier kämpfen nicht die Guten gegen die Bösen. Hier streiten zwei Schwergewichte um Macht, Kontrolle - und natürlich um Geld.
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