PayPal war jahrelang das Synonym für Online-Shopping. Wer im Netz bestellte, drückte fast schon reflexartig auf den blauen Button. Dass der US-Riese nun auch im physischen Handel Fuß fasst, ist keine Überraschung, aber das Tempo beeindruckt dann doch. Rund ein Dreivierteljahr nach dem Start der neuen Funktion haben sich in Deutschland bereits 7,6 Millionen Nutzer für das Bezahlen per App an der Ladenkasse registriert. Bei insgesamt 39 Millionen aktiven Konten hierzulande ist das eine beachtliche Quote für ein Feature, das eigentlich gegen fest etablierte Gewohnheiten und Plastikkarten antritt.
Diese Entwicklung kommt für die europäische Konkurrenz zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Während PayPal Tatsachen schafft, versucht das europäische Projekt Wero gerade erst, aus dem Schatten der Banken-IT zu treten. Wero ist zwar Ende 2025 als Online-Dienst gestartet und erlaubt Handy-zu-Handy-Zahlungen, doch die entscheidende Schlacht an der Supermarktkasse will man dort erst in diesem Jahr schlagen. Dass nun fast acht Millionen Menschen bereits ihr PayPal-Konto fürs mobile Bezahlen scharfgeschaltet haben, verkleinert das Zeitfenster für Wero erheblich.
Interessant ist dabei die Diskrepanz zwischen der Marktmacht und der Stimmung an der Börse. Trotz der Dominanz im deutschen E-Commerce - wo PayPal laut EHI rund 30 Prozent des Umsatzes kontrolliert - wirkt der Konzern an der Wall Street fast schon wie ein Sanierungsfall. Der Aktienkurs liegt weit unter den Höchstständen der Pandemie-Ära. Ein neuer Chef, der vom PC-Riesen HP kommt, soll es nun richten. Auch technische Aussetzer wie die Lastschrift-Panne im letzten Sommer haben gezeigt, dass die Vormachtstellung nicht gottgegeben ist.
Parallel dazu bastelt die EZB am digitalen Euro, um die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr zu retten. Das klingt in der Theorie nach einem vernünftigen Plan, scheitert in der Praxis bisher aber an der fehlenden Relevanz im Alltag der Nutzer. PayPal zeigt gerade, dass man nicht auf politische Weichenstellungen warten muss, wenn man die installierte Basis auf dem Smartphone bereits hat. Für die hiesigen Banken wird es ein hartes Stück Arbeit, die Bequemlichkeit der Nutzer gegen das Argument der Souveränität auszuspielen.
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