Punkt, Plus, Googlemail: Warum du keine Wegwerf-Adressen brauchst

Christian Palm • 11.01.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Vergiss Drittanbieter für Temp-Mails. Mit diesen uralten Gmail-Tricks erstellst du unendliche Aliase für mehr Ordnung und weniger Spam in deinem Postfach.
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Google liebt es, uns mit KI-Funktionen zu bewerfen, die niemand bestellt hat. Doch während Apple mit „E-Mail Adresse verbergen“ oder Proton mit SimpleLogin längst komfortable Lösungen für die digitale Anonymität bieten, schaut der Gmail-Nutzer in die Röhre. Wer seine echte Adresse nicht jedem windigen Newsletter-Betreiber auf die Nase binden will, muss bei Google tief in die Trickkiste greifen. Diese Kiste ist mittlerweile so alt, dass sie eigentlich ins Museum gehört, aber sie funktioniert immer noch tadellos.

Der erste Klassiker ist die vollkommene Ignoranz gegenüber Satzzeichen. Google ist der Punkt in deiner Adresse schlichtweg egal. Wenn du als maxmustermann@gmail.com registriert bist, gehört dir auch m.axmustermann@gmail.com oder max.mustermann@gmail.com. Du kannst den Punkt schieben, wie es dir beliebt. Die Mail landet immer im selben Posteingang. Das ist zwar kein echter Schutz gegen Profi-Spammer, hilft aber wunderbar, um bei der zehnten Test-Registrierung eines Webdienstes nicht jedes Mal ein neues Konto anlegen zu müssen.

Richtig nützlich wird es allerdings erst mit dem Plus-Trick. Du kannst hinter deinen Namen ein Pluszeichen setzen und eine beliebige Zeichenfolge anhängen. Aus maxmustermann@gmail.com wird dann zum Beispiel maxmustermann+nervigernewsletter@gmail.com. Der Clou dabei: Du siehst sofort, wer deine Daten weiterverkauft hat, wenn plötzlich Spam an die Adresse mit dem entsprechenden Zusatz eintrudelt. Zudem lassen sich diese Aliase in Gmail hervorragend filtern. Du kannst Regeln erstellen, die alles, was über ein bestimmtes Plus-Kürzel reinkommt, sofort in einen Unterordner schieben oder direkt im digitalen Schredder versenken.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Nicht jeder Webdienst hat seine Hausaufgaben gemacht. Manche Anmeldemasken quittieren das Pluszeichen mit einer Fehlermeldung, weil sie es für ein ungültiges Zeichen halten. In solchen Fällen hilft oft der Wechsel der Domain. @gmail.com und @googlemail.com sind technisch identisch; du bist unter beiden Endungen erreichbar.

Natürlich ist das alles kein Ersatz für echte Anonymisierungsdienste wie Firefox Relay oder addy.io die deine Identität wirklich verschleiern. Google schleift deine Mails zwar nicht über Drittserver, bietet dafür aber auch keinen Komfort bei der Verwaltung dieser „Schatten-Adressen“. Es bleibt die Hoffnung, dass der Suchmaschinenriese irgendwann bemerkt, dass wir das Jahr 2026 schreiben und ein natives Alias-Feature zur Standardausstattung eines modernen Mail-Dienstes gehören sollte. Bis dahin schieben wir eben weiter Punkte und setzen Pluszeichen wie in den frühen 2000ern.

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