Netflix hat ein Herz für alle, die schon immer gegen ihren Fernseher geschrien haben, weil die Jury mal wieder keine Ahnung hat. Ab heute darfst du deine Meinung nicht mehr nur lautstark im Wohnzimmer kundtun, sondern ganz offiziell in die Fernbedienung hacken. Pünktlich zur Premiere der Casting-Show „Star Search“ führt der Streaming-Riese eine globale Live-Voting-Funktion ein. Damit möchte das Unternehmen den Graben zwischen dem klassischen, passiven Berieseln-Lassen und dem aktiven Mitwirken überbrücken.
Technisch gesehen hast du zwei Möglichkeiten, dein Urteil zu fällen: Entweder wählst du klassisch aus einem Multiple-Choice-Menü oder du vergibst bis zu fünf Sterne für eine Performance. Das Ganze funktioniert wahlweise direkt über die TV-Fernbedienung oder die Smartphone-App. Netflix verspricht, dass die Stimmen in Echtzeit ausgewertet werden. Ein kleiner Haken für alle Zeitversetzt-Gucker: Wer die Show nicht live verfolgt, bleibt außen vor. Sobald das Zeitfenster für die Abstimmung geschlossen ist, bleibt die App stumm. Das sorgt natürlich für den nötigen Druck, pünktlich vor dem Bildschirm zu sitzen - ein Schelm, wer dabei an die guten alten Zeiten des linearen Fernsehens denkt, die Netflix eigentlich hinter sich lassen wollte.
Die CTO des Unternehmens, Elizabeth Stone, bezeichnet das Feature als einen frühen Schritt in Richtung einer Zukunft, in der Mitglieder sich als „Teil der Geschichte“ fühlen sollen. Das klingt wunderbar nach Lagerfeuer-Romantik 2.0, dient aber primär dazu, die Nutzer tiefer in das hauseigene Ökosystem zu ziehen und die Verweildauer zu maximieren. Nachdem Netflix bereits im letzten Jahr mit interaktiven Spielen auf dem Smart-TV experimentiert hat, ist die Zusammenführung von Live-Content und Interaktion der logische nächste Schritt. Man will eben nicht mehr nur der Dienst sein, bei dem man nach drei Folgen „Bridgerton“ einschläft, sondern die Plattform, auf der man aktiv Schicksale beeinflusst - oder zumindest darüber entscheidet, welcher Nachwuchssänger als nächstes nach Hause geschickt wird.
Ob dieser Vorstoß in Richtung Interaktivität wirklich das Fernsehen revolutioniert oder nur ein nettes Gimmick bleibt, um die Abonnenten bei der Stange zu halten, wird sich zeigen. Immerhin: Wenn die Show am Ende doch langweilig ist, hast du wenigstens etwas, worauf du mit dem Daumen drücken kannst.
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