Netflix hat sein Geschäftsmodell in wenigen Jahren komplett verändert. Lange galt Werbung beim Streamingdienst praktisch als ausgeschlossen. Heute wächst ausgerechnet das Werbe-Abo schneller als viele andere Bereiche des Unternehmens. Jetzt geht Netflix den nächsten Schritt: Werbung soll künftig an noch mehr Stellen innerhalb der App auftauchen, wie The Verge berichtet.
Anzeigen kommen in den vertikalen Video-Feed
Besonders auffällig ist die Integration in den neuen vertikalen Video-Feed der Netflix-App. Das Format erinnert stark an klassische Social-Media-Apps wie TikTok oder Instagram Reels. Nutzer scrollen dort durch kurze Clips und Empfehlungen aus Serien und Filmen. Genau dort will Netflix künftig auch Werbung platzieren.
Das ist strategisch logisch. Vertikale Feeds erzeugen hohe Aufmerksamkeit und lange Nutzungszeiten - genau die Umgebung, die Werbekunden bevorzugen. Für Nutzer bedeutet das aber gleichzeitig: Netflix entwickelt sich optisch und funktional immer stärker weg vom klassischen Streaming-Katalog hin zu einer Entertainment-Plattform mit Social-Media-Elementen.
Auch Podcasts werden zur Werbefläche
Zusätzlich kündigte Netflix an, künftig mehr Werbung in Podcasts einzubauen. Das zeigt, dass das Unternehmen seine Inhalte längst nicht mehr nur als Serien- und Filmplattform versteht. Podcasts, Kurzvideos und begleitende Inhalte sollen Nutzer länger im Netflix-Ökosystem halten - und gleichzeitig neue Werbeflächen schaffen.
Gerade Podcasts gelten aktuell als attraktiver Werbemarkt, weil Nutzer dort oft länger zuhören und Anzeigen schwerer überspringen.
Das Werbe-Abo wächst schneller als das Premium-Modell
Netflix spricht inzwischen von mehr als 250 Millionen monatlichen Nutzern im Werbe-Abo. Vor einem Jahr lag die Zahl laut Unternehmen noch bei rund 94 Millionen. Der Grund ist simpel: Streaming wird immer teurer. Viele Nutzer wechseln deshalb auf günstigere Tarife mit Werbung, statt ihr Abo komplett zu kündigen. Für Netflix ist das wirtschaftlich interessant, weil Werbekunden zusätzlich Geld bringen - oft mehr als ein günstigeres Abo allein.
Das verändert die Prioritäten des Unternehmens deutlich. Früher stand reines Abonnentenwachstum im Mittelpunkt. Heute geht es stärker darum, wie viel Umsatz pro Nutzer erzielt werden kann.
Apple TV+ bleibt die Ausnahme
Interessant ist der Vergleich mit Apple und Apple TV.
Apple TV+ ist aktuell der einzige große Streamingdienst ohne Werbe-Abo. Zwar schließt Apple Werbung langfristig nicht komplett aus, bislang setzt das Unternehmen aber weiter auf ein vollständig werbefreies Modell. Das könnte allerdings schwieriger werden, wenn Produktionskosten weiter steigen und der Konkurrenzdruck zunimmt.
Streaming nähert sich wieder klassischem Fernsehen an
Die Entwicklung bei Netflix zeigt ein Muster, das inzwischen fast die gesamte Streaming-Branche betrifft. Streaming startete ursprünglich als Gegenmodell zum klassischen Fernsehen: weniger Werbung, flexible Inhalte, einfache Abos. Inzwischen entstehen jedoch immer mehr hybride Modelle aus Werbung, Zusatzpaketen und algorithmischen Feeds.
Wer komplett werbefrei streamen möchte, wird wahrscheinlich dauerhaft tiefer in die Tasche greifen müssen.
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