Man muss sich diese Zahl erst einmal auf der Zunge zergehen lassen: Fast elf Stunden verbringen die Menschen in Deutschland pro Tag mit Medien. Zieht man die Zeit für Schlaf, Arbeit und den Weg zum Supermarkt ab, bleibt eigentlich kaum ein Moment übrig, in dem nicht irgendwo ein Pixel flimmert oder ein Lautsprecher schwingt. Der Branchenverband Vaunet hat die Zahlen für 2025 vorgelegt, und sie zeichnen ein Bild, das für viele von uns in der Tech-Blase fast schon surreal wirkt.
Obwohl wir gefühlt nur noch über Algorithmen, On-Demand-Kataloge und personalisierte Playlists sprechen, bleibt das klassische Radio mit einer täglichen Nutzung von über drei Stunden ein massiver Anker im Alltag. Zusammen mit dem Fernsehen dominiert die alte Welt der linearen Ausstrahlung weiterhin den Großteil der Stunden, die wir täglich mit Audio und Video verbringen. Dass das Fernsehen trotz eines leichten Rückgangs immer noch bei knapp drei Stunden pro Tag landet, während Online-Video bei etwa 100 Minuten stagniert, wirkt wie ein statistischer Fehler aus einer anderen Epoche - ist aber laut den aggregierten Daten der hiesigen Medienforschung Realität.
Natürlich muss man bei solchen Verbandszahlen genauer hinschauen. Die Datenbasis speist sich aus verschiedenen Quellen wie der agma oder dem ViewTime Report, was methodisch eher eine grobe Orientierung als eine präzise wissenschaftliche Sezierung darstellt. Dennoch ist der Trend zur Stabilität bemerkenswert. Während wir uns fragen, welches Abo wir als Nächstes kündigen, scheint ein Großteil der Bevölkerung schlicht den Einschaltknopf zu drücken und das zu nehmen, was gerade kommt.
Interessant ist dabei die Diskrepanz zwischen der gefühlten digitalen Revolution und der tatsächlichen Reichweite. Fast 92 Prozent der Menschen ab 14 Jahren hören regelmäßig Audio-Inhalte, wobei das klassische Radio hier das schwerste Gewicht in die Waagschale wirft. Streaming wächst zwar - Audio legte im Vergleich zum Vorjahr um sechs Minuten zu -, aber eben auf einem Fundament, das weiterhin aus UKW und Kabelanschluss besteht.
Vielleicht ist es die Bequemlichkeit des Kuratierten, die diese Zahlen stützt. Wer den ganzen Tag Entscheidungen treffen muss, lässt sich abends eventuell lieber berieseln, als sich durch das endlose Menü eines Streaming-Dienstes zu scrollen. Auch wenn man sich selbst in dieser Statistik kaum wiederfindet, erinnert sie uns daran, dass die Transformation der Medienlandschaft kein Sprint ist, sondern ein sehr langer, zäher Marathon.
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