Zuckerberg vor Gericht: Wenn interne E-Mails die PR-Strategie einholen

Nadine Decker • 20.02.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Mark Zuckerberg sagt in Los Angeles zur Suchtgefahr von Instagram aus. Interne Dokumente widersprechen seinen früheren Aussagen vor dem Kongress.
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Es ist ein Bild, das man inzwischen kennt: Mark Zuckerberg sitzt vor Gericht oder einem Ausschuss und versucht, die komplexe Welt von Meta so zu erklären, dass sie möglichst wenig nach Profitmaximierung auf Kosten der psychischen Gesundheit klingt. Aktuell findet dieser Schlagabtausch vor dem Superior Court in Los Angeles statt. Im Kern geht es um die Frage, ob Instagram und Co. bewusst so gestaltet wurden, dass sie Jugendliche süchtig machen.

Besonders unangenehm für den Meta-Chef: Die Klägerseite legte interne E-Mails aus dem Jahr 2015 vor. Darin drängte Zuckerberg offenbar darauf, die Verweildauer der Nutzer in der App um 12 % zu steigern. Das beißt sich ein wenig mit seinen früheren Aussagen vor dem US-Kongress, wonach die Maximierung der Nutzungszeit angeblich gar kein primäres Ziel sei. Es ist der klassische Konflikt zwischen dem, was Tech-Giganten öffentlich über „Digital Wellbeing“ sagen, und dem, was in den internen Quartalszielen steht.

Auch das Thema Kinderschutz kam zur Sprache. Dokumente aus dem Jahr 2018 zeigen, dass Meta bereits 2015 wusste, dass etwa vier Millionen Kinder unter 13 Jahren auf Instagram aktiv waren - darunter rund 30 % aller Zehn- bis Zwölfjährigen in den USA. Zuckerbergs Verteidigungslinie blieb hier gewohnt routiniert: Altersverifikation sei technisch schwierig, und eigentlich stünden hier die Smartphone-Hersteller wie Apple in der Pflicht, bessere Werkzeuge zu liefern.

Während TikTok und Snap den Rechtsstreit durch Vergleiche bereits hinter sich gelassen haben, ziehen Meta und YouTube die Sache durch. Die Strategie der Meta-Anwälte ist dabei so pragmatisch wie kühl: Sie führen die mentalen Probleme der Klägerin auf eine unglückliche Kindheit zurück, statt auf das Design der App.

Dieser Prozess könnte mehr sein als nur ein PR-Desaster für Zuckerberg. Sollte die Jury zu dem Schluss kommen, dass Meta die Gefahren kannte und sie für das Wachstum ignorierte, könnte das eine Lawine an Regulierungen auslösen. Für den Moment bleibt es jedoch beim gewohnten Spiel: Die Kläger präsentieren interne Dokumente, und Zuckerberg verweist darauf, dass diese „aus dem Kontext gerissen“ seien. Man hat das alles schon einmal gehört, aber die Beweislast scheint dieses Mal dichter zu werden.

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