TikTok vs. Brüssel: Wenn das Design zur Falle wird

Nadine Decker • 06.02.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Die EU-Kommission stellt fest: TikToks Endlos-Feed verstößt gegen den DSA. Wir schauen uns an, warum das unendliche Scrollen jetzt vor dem Aus stehen könnte.
TikTk-App auf einem iPhone

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die EU-Kommission den Algorithmus-Dschungel von TikTok genauer unter die Lupe nimmt. Jetzt liegen die vorläufigen Ergebnisse vor, und sie lesen sich wie eine Mängelliste für digitale Psychologie. Brüssel ist der Ansicht, dass TikTok mit seinem Design - vom unendlichen Scrollen bis zu den penetranten Push-Nachrichten - gezielt gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA) verstößt. Im Kern geht es darum, dass die App darauf getrimmt ist, unser Belohnungssystem im Gehirn im Dauertakt zu triggern.

Dass Autoplay und der endlose Feed nicht unbedingt förderlich für die Aufmerksamkeitsspanne sind, ist kein Geheimnis. Die Kommission wird hier aber konkret: TikTok habe nicht ausreichend bewertet, wie sehr diese Mechanismen das körperliche und geistige Wohlbefinden beeinträchtigen. Besonders kritisch sieht man den „Autopilot-Modus“, in den viele Nutzer verfallen, wenn ein Video das nächste jagt. Das betrifft natürlich vor allem Minderjährige, aber auch wir Erwachsenen sind vor dem Sog des Algorithmus nicht gefeit. Man könnte fast sagen, TikTok hat das Prinzip der Spielhalle erfolgreich in die Hosentasche portiert.

Interessant ist der Vorwurf, dass TikTok wichtige Warnsignale schlicht ignoriert haben soll. Wenn Jugendliche bis tief in die Nacht durch den Feed wischen oder die App im Minutentakt öffnen, sind das klare Indikatoren für eine zwanghafte Nutzung. Die bisherigen Tools zur Bildschirmzeitkontrolle sieht die Kommission eher als kosmetische Korrektur. Sie seien zu leicht zu umgehen und im Falle der Kindersicherung schlicht zu kompliziert aufgebaut. Wer schon mal versucht hat, die Family-Link-Einstellungen intuitiv zu finden, weiß vermutlich, was gemeint ist.

Was bedeutet das jetzt für die App auf deinem Smartphone? Wenn die vorläufigen Feststellungen Bestand haben, muss TikTok ans Eingemachte. Wir reden hier nicht von einem neuen Button, sondern von Änderungen am grundlegenden Design. Denkbar wären erzwungene Pausen nach einer gewissen Zeit, ein Ende des Autoplays oder sogar eine Deaktivierung des unendlichen Scrollens während der Nachtstunden. TikTok hat nun Zeit, sich zu verteidigen und die Akten zu prüfen. Sollte das Unternehmen die Kommission nicht umstimmen können, wird es teuer: Bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes stehen als Bußgeld im Raum. Das ist eine Summe, bei der selbst ByteDance kurz aufhören dürfte zu scrollen.

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