Australien hat den Stecker gezogen und Deutschland schaut fasziniert zu. Seit dort unter 16-Jährige offiziell von den großen Plattformen ausgesperrt wurden, wächst auch in Berlin die Lust am digitalen Riegel. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hat sich nun als Fan des australischen Modells geoutet. Er hält die Frage nach einer strikten Altersbeschränkung nicht nur für berechtigt, sondern für dringend notwendig. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Politik das Rad der Zeit zurückdrehen will, um eine "gesunde Entwicklung" zu garantieren, wie sie frühere Generationen noch ganz ohne Reels und Filter-Dysmorphie genießen durften.
Die Argumentation ist so klassisch wie einleuchtend: Die ständige digitale Ablenkung schadet dem Nachwuchs. Dass soziale Medien tief in das Leben junger Menschen eingreifen, ist keine neue Erkenntnis, wird nun aber zur Grundlage für handfeste Regulierungsideen. Wildberger beruft sich auf diverse Studien, die das Unbehagen untermauern. Offenbar ist die Erkenntnis gereift, dass Algorithmen, die auf maximale Suchtmaximierung programmiert sind, für Zehnjährige vielleicht doch nicht das ideale digitale Pausenbrot darstellen. Ob die Grenze am Ende bei 14, 15 oder 16 Jahren gezogen wird, bleibt dabei das große Rätselraten der kommenden Monate.
Damit die Politik nicht ganz im Trüben fischt, darf natürlich die obligatorische Expertenkommission nicht fehlen. Seit Herbst brüten Wissenschaftler und Mediziner darüber, wie man den digitalen Geist wieder in die Flasche bekommt. Bis zum Sommer sollen die Ergebnisse vorliegen. Dabei geht es der Kommission nicht nur um den Zugang zu TikTok oder Instagram, sondern auch um das Reizthema Handyverbot an Schulen. Man möchte fast meinen, die Bundesregierung habe plötzlich das Analoge als neuen Luxus für die Jugend entdeckt.
Natürlich bleibt die Frage der Umsetzung wie immer das größte Fragezeichen in der deutschen Digitalpolitik. Wie genau man sicherstellen will, dass ein technisch versierter 14-Jähriger nicht einfach per VPN oder simpler Falschangabe durch das Raster schlüpft, bleibt vorerst das Geheimnis der Planer. Die Plattformbetreiber werden sicherlich mit gewohntem Enthusiasmus - also vermutlich mit einer Armee von Lobbyisten - erklären, warum das alles technisch unmöglich oder zumindest ganz furchtbar kompliziert ist. Wildberger scheint jedoch entschlossen, den australischen Weg zumindest mal vorsichtig mit den Zehenspitzen zu testen.
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