Bluesky möchte, dass du dich auf der Plattform weniger einsam fühlst und führt die „Find Friends“-Funktion ein. Der Gedanke dahinter ist so alt wie das soziale Web selbst: Du lädst dein Adressbuch hoch und schaust, wer von deinen Bekannten bereits dort ist oder in Zukunft dazustößt. Während andere Plattformen bei diesem Vorgang oft eine Datengier an den Tag legen, die an digitale Staubsauger erinnert, gibt sich Bluesky betont zurückhaltend und betont die eigene moralische Überlegenheit gegenüber der Konkurrenz, die Daten angeblich lieber für „zweifelhafte Zwecke“ verscherbelt.
Die technische Umsetzung ist dabei etwas komplexer als ein simpler Upload. Um das Ganze datenschutzrechtlich wasserdicht zu machen, setzt Bluesky auf ein System gegenseitiger Zustimmung. Das bedeutet konkret: Nur wenn sowohl du als auch dein Kontakt die Funktion aktiv nutzen und ihre Nummern verifiziert haben, kommt ein Match zustande. Du wirst also nicht automatisch jedem angezeigt, der deine Nummer mal vor fünf Jahren für einen Gebrauchtwagenkauf gespeichert hat, sofern du dem Prozedere nicht explizit zugestimmt hast.
Bevor der Abgleich startet, musst du deine eigene Telefonnummer verifizieren. Das soll verhindern, dass „böse Akteure“ - ein Begriff, den Tech-Unternehmen gerne für Trolle oder Datensammler nutzen - einfach Listen mit zufälligen Nummern hochladen, um Profile auszuspähen. Bluesky speichert die Nummern zudem nicht im Klartext, sondern als verschlüsselte Paare, die an einen externen Hardware-Sicherheitsschlüssel gebunden sind. Das klingt nach viel Aufwand für eine Funktion, die man bei Facebook oder WhatsApp seit Jahren ohne langes Nachdenken durchwinkt, ist aber im aktuellen Klima der Plattform-Abwanderungen ein wichtiges Verkaufsargument.
Wer sich doch umentscheidet, kann seine Daten jederzeit löschen und per Opt-Out aussteigen. Ein interessantes Detail betrifft die Einladungen: Diese werden nicht automatisiert von Bluesky verschickt, sondern von dir persönlich. Damit schiebt die Plattform die Verantwortung für den potenziellen Spam elegant an die Nutzer zurück. Da diese Nachrichten außerhalb der App versendet werden, gibt es logischerweise auch keinen „Abmelden“-Button innerhalb von Bluesky für den Erhalt solcher Einladungen.
In der Praxis könnte es für Early Adopter erst einmal ruhig bleiben. Da das System auf dem Prinzip der doppelten Freiwilligkeit basiert, müssen eben beide Seiten mitmachen. Es ist das klassische Henne-Ei-Problem sozialer Netzwerke, nur diesmal mit einer extra Schicht Verschlüsselung und dem guten Gewissen, dass die eigenen Kontakte nicht direkt im Werbenetzwerk landen. Die Funktion ist ab sofort in der mobilen App verfügbar, auch hier in Deutschland.
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