In der Politik scheint gerade eine neue Ära des digitalen Protektionismus anzubrechen. Was in Australien als radikaler Vorstoß begann, entwickelt sich in Europa zum Trend: Staaten versuchen, den Wilden Westen der sozialen Netzwerke für Jugendliche per Gesetz zu zähmen. Während die SPD in Deutschland noch über Modelle nachdenkt, haben andere Fakten geschaffen oder sind kurz davor.
Australien spielt hierbei das Versuchskaninchen für die Welt. Seit Ende letzten Jahres gilt dort ein striktes Verbot für unter 16-Jährige. Die Bilanz der Regierung klingt auf dem Papier beeindruckend: Über 4,7 Millionen Accounts wurden bereits deaktiviert. Die technische Umsetzung ist allerdings genau das, was uns in der Tech-Welt Kopfschmerzen bereitet. Die Plattformen nutzen eine Mischung aus Ausweis-Uploads, Gesichtserkennung und dem Scannen digitaler Fußabdrücke. Ob das Abgleichen des Geburtsdatums mit dem Surf-Verhalten wirklich ausreicht, um findige Teenager mit VPN-Kenntnissen zu stoppen, bleibt abzuwarten.
In Europa ziehen Spanien und Frankreich nach. Spanien plant ebenfalls die 16er-Grenze und will zudem die Straffreiheit für Plattform-Manager beenden, die Löschaufforderungen ignorieren. Frankreich setzt die Hürde bei 15 Jahren an, lässt aber Schlupflöcher für Bildungsangebote und private Messenger. Dänemark wählt einen etwas liberaleren Weg: Verbot unter 15, aber mit einer "Veto-Option" für Eltern ab 13 Jahren.
Besonders spannend aus technischer Sicht ist der griechische Ansatz. Statt sich nur auf die Selbstregulierung der Plattformen zu verlassen, arbeitet man dort an der "Kids Wallet App". Diese soll als zentraler digitaler Türsteher auf den Geräten fungieren und den Zugang zu sozialen Medien, aber auch zu Glücksspiel und Pornografie direkt auf Systemebene blockieren.
Man muss kein Pessimist sein, um zu sehen, dass hier ein gewaltiges Wettrüsten zwischen staatlicher Regulierung und jugendlicher Umgehungskreativität beginnt. Während die EU-Ebene noch an unverbindlichen Empfehlungen für eine harmonisierte Altersgrenze bastelt, schaffen die Nationalstaaten eine Landschaft aus digitalen Grenzzäunen. Für die Tech-Konzerne bedeutet das vor allem eines: Der Aufwand für die Altersverifizierung wird massiv steigen - und damit auch die Menge an sensiblen Daten, die zur Überprüfung erhoben werden müssen. Ein Schelm, wer dabei an den Datenschutz denkt.
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