ByteDance beugt sich: Die Zerstückelung von TikTok beginnt

Michi Neumann • 19.12.2025
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
TikTok US wird an ein Konsortium um Oracle und Silver Lake verkauft. Ein neues Joint Venture soll die nationale Sicherheit der USA garantieren.
TikTk-App auf einem iPhone

TikTok-Chef Shou Chew hat die Katze aus dem Sack gelassen: Die US-Version der Kurzvideo-Plattform wird in eine neue Struktur überführt, um dem drohenden Verbot in den Staaten zu entgehen. In einem internen Schreiben, das den Weg an die Öffentlichkeit fand, bestätigte Chew die Gründung der „TikTok USDS Joint Venture LLC“. Wer glaubte, TikTok würde einfach nur den Besitzer wechseln, hat die Rechnung ohne das politische Schachspiel in Washington gemacht. Der chinesische Mutterkonzern ByteDance zieht sich auf einen Minderheitsanteil von 19,9 Prozent zurück, während ein illustres Konsortium das Ruder übernimmt.

Die Riege der neuen Herren im Haus liest sich wie ein Who’s Who der politisch gut vernetzten Tech-Welt. Oracle, das Unternehmen von Larry Ellison, führt die Gruppe zusammen mit dem Investmentfonds Silver Lake und MGX an. Dass MGX der staatliche Investmentfonds von Abu Dhabi ist, verleiht der gesamten Argumentation rund um die „nationale Sicherheit“ eine besondere Note. Man scheint in Washington der Meinung zu sein, dass Nutzerdaten in den Händen eines arabischen Staatsfonds wesentlich sicherer aufgehoben sind als in Peking. Ein Schelm, wer dabei an rein wirtschaftliche Interessen oder geopolitische Seilschaften denkt.

Besonders technisch wird es beim Thema Algorithmus. Die Verträge sehen vor, dass die Empfehlungs-Engine für den US-Markt komplett neu trainiert wird - und zwar ausschließlich mit Daten von US-Nutzern. Damit will man sicherstellen, dass der Feed frei von „äußerlichen Einflüssen“ bleibt. Oracle übernimmt dabei die Rolle des digitalen Türstehers und soll die Datenintegrität überwachen. Ob das Re-Training des Algorithmus die Qualität der Tanzvideos verbessert oder lediglich die politische Filterblase amerikanisiert? Die endgültige Entscheidungsgewalt über die Inhaltsmoderation liegt künftig jedenfalls fest in US-Hand.

Bis zum 22. Januar 2026 soll der gesamte Deal über die Bühne gegangen sein. Während die US-Niederlassung somit quasi abgespaltet wird, bleiben die Strukturen für Europa, Australien und Südostasien vorerst unangetastet. Für die Nutzer in den USA ändert sich oberflächlich vermutlich wenig, hinter den Kulissen wurde jedoch ein beispielloser Umbau vollzogen. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines jahrelangen Tauziehens, bei dem der Datenschutz oft als Vorwand für handfeste Industriepolitik herhalten musste. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Daten sind nur dann ein Sicherheitsrisiko, wenn sie der falschen Flagge gehören.

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