Bluesky wagt, was andere Netzwerke längst aufgegeben haben: einen „Dislike“-Button. Das Experiment soll Nutzerinnen und Nutzern helfen, ihren Feed gezielter zu steuern - und zwar ohne den sozialen Sprengstoff, den ein öffentlicher Daumen nach unten mit sich bringt.
Die neue Option, die Bluesky in Kürze testet, bleibt komplett privat. Niemand erfährt, wer welchen Beitrag abgelehnt hat. Statt öffentlicher Bloßstellung fließt das Feedback in den Algorithmus ein, der entscheidet, welche Inhalte man häufiger oder seltener sieht. Die Idee: Ein persönlicherer Feed, weniger Rauschen, mehr Relevanz.
Das Team betont, dass die Dislikes nicht nur die eigene Sicht beeinflussen, sondern indirekt auch die Feeds jener Menschen, mit denen man viel interagiert. Ein stilles Netzwerk aus Geschmacksströmen also - ohne Shitstorms, aber mit Einfluss. Gleichzeitig soll der Algorithmus künftig „toxische, unpassende oder böswillige“ Inhalte besser erkennen und abwerten.
Der Ansatz unterscheidet sich deutlich von den berüchtigten Downvotes bei Twitter oder YouTube. Twitter hatte die Funktion vor der Musk-Ära getestet und schnell wieder eingestampft, Facebook verzichtete ganz darauf, YouTube versteckt die negativen Bewertungen inzwischen. Öffentliche Dislikes haben dort meist weniger zur Qualitätssteigerung als zur kollektiven Demütigung geführt.
Bluesky versucht es nun mit einer Art „algorithmischem Flüstern“ statt öffentlichem Ausbuhen. Das könnte tatsächlich helfen, den Feed gesünder zu machen - oder aber die Diskussionen weiter verengen, wenn der Algorithmus zu eifrig sortiert. Wie gut das Experiment funktioniert, hängt also weniger von den Nutzerinnen ab, sondern davon, wie Bluesky ihre Signale interpretiert.
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