Es war eines dieser Versprechen, die wunderbar in eine Wahlkampfkampagne passen: Ein goldenes Smartphone, gebaut von amerikanischen Händen, kombiniert mit einem eigenen Mobilfunknetz. Doch wie das bei ambitionierten Hardware-Projekten oft so ist, klaffen Anspruch und Realität nach einem Jahr Funkstille weit auseinander. Das „Trump Phone“ ist nicht verschwunden, es hat sich nur - sagen wir - pragmatisch neu erfunden.
Zwei Führungskräfte von Trump Mobile gaben gegenüber The Verge nun Einblicke in den aktuellen Stand der Dinge - und zeigten das T1 dort auch. Die wichtigste Nachricht für Patrioten vorweg: Das Label „Made in USA“ wurde stillschweigend beerdigt. Stattdessen stammt das Gerät nun aus einer nicht näher benannten „bevorzugten Nation“ (was im Tech-Sprech meistens für eine Auftragsfertigung in Asien steht), wobei in Florida lediglich eine „finale Montage“ stattfinden soll. Ein Schelm, wer dabei an das einfache Zusammenstecken von Gehäuse und Akku denkt.
Technisch bewegt sich das neue T1 - falls es am Ende noch so heißt - im soliden Mittelfeld. Ein 6,8 Zoll großes Display, ein Snapdragon 7er-Chipsatz und ein 5.000 mAh starker Akku sind Standardkost für die 500-Euro-Klasse. Dazu gesellen sich 512 GB Speicher und eine 50-Megapixel-Hauptkamera. Die Behauptung der Macher, das Gerät fühle sich an wie ein 1.000-Dollar-Flaggschiff, muss sich im Alltag erst noch beweisen. Bisher klingen die Specs eher nach einem typischen White-Label-Gerät, das mit einer goldenen Lackierung und einer eingravierten Flagge auf Premium getrimmt wurde.
Besonders kurios ist die Preisgestaltung. Wer letztes Jahr mutig genug war, 100 Dollar anzuzahlen, soll das Gerät zum alten Kurs von 499 Dollar erhalten. Für alle anderen wird es teurer - wie viel genau, bleibt das Geheimnis des Unternehmens. Man peilt nun einen Release Ende März 2026 an, sofern die Zertifizierung im T-Mobile-Netz diesmal glattläuft.
Am Ende bleibt ein fader Beigeschmack. Aus der technologischen Unabhängigkeitserklärung ist ein klassisches Import-Geschäft geworden. Wer bereits angezahlt hat, bekommt im Frühjahr hoffentlich mehr als nur ein vergoldetes Versprechen. Alle anderen sollten erst einmal abwarten, ob das T1 mehr kann, als nur in der Sonne zu glänzen.
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