Die Connectivity Standards Alliance (CSA) hat nach einer gefühlten Ewigkeit die Version 1.0 von Aliro veröffentlicht. Wer sich im Smart-Home-Kosmos bewegt, kennt den Verein bereits als treibende Kraft hinter Matter. Mit Aliro nehmen sie sich jetzt die nächste Baustelle vor: den Wildwuchs bei digitalen Türschlössern. Das Ziel ist simpel, aber technisch überfällig. Ein Smartphone soll jedes kompatible Schloss öffnen können, egal ob man im Apple-, Google- oder Samsung-Lager campt.
Bisher war das Öffnen der Haustür per Smartphone-Wallet eine eher exklusive Angelegenheit. Apple-Nutzer kennen das Prinzip als "Home Key". Man hält das iPhone oder die Watch an das Schloss, und die Tür geht auf. Wer allerdings ein Android-Gerät nutzt oder in einem Haushalt mit verschiedenen Betriebssystemen lebt, starrte oft in die Röhre oder musste auf proprietäre Apps der Schlosshersteller zurückgreifen. Aliro räumt hier auf, indem es ein einheitliches Protokoll für die Kommunikation zwischen Schloss und digitalem Wallet definiert.
Technisch setzt Aliro auf eine Kombination aus Near Field Communication (NFC), Bluetooth Low Energy (BLE) und Ultra-Wideband (UWB). Besonders UWB ist hier der interessante Part für alle, die keine Lust haben, ihr Handy überhaupt aus der Tasche zu kramen. Die Distanzmessung ist so präzise, dass das Schloss erkennt, ob du direkt vor der Tür stehst oder nur im Flur daran vorbeiläufst.
Für Hersteller bedeutet der Standard weniger Kopfschmerz bei der Entwicklung. Anstatt für jedes Ökosystem eine eigene Zertifizierung zu durchlaufen, reicht künftig das Aliro-Siegel. Das dürfte die Auswahl an Hardware deutlich erhöhen. Erste Geräte wie das Aqara U400 stehen bereits in den Startlöchern und sollen per Software-Update Aliro-fähig gemacht werden.
Interessant wird es jenseits der eigenen Haustür. Aliro ist nicht nur für das private Smart Home gedacht. Das Protokoll soll Einzug in Bürogebäude, Fitnessstudios oder Hotels halten. Wenn das klappt, verschwinden die Plastikkarten für das Büro oder der Transponder für das Gym endlich in der Schublade. Apple-Nutzer profitieren paradoxerweise ebenfalls: Wenn ein Vermieter bisher vor den hohen Hürden von Home Key zurückgeschreckt ist, könnte ein offener Standard wie Aliro die Entscheidung für digitale Schließanlagen in Mietshäusern beschleunigen.
Aktuell bedeutet der Release von Version 1.0 vor allem, dass die Zertifizierungsphase beginnt. Wir werden also nicht morgen früh alle unsere Schlüssel wegschmeißen können. Die großen Player wie Google und Samsung müssen ihre Betriebssysteme erst final anpassen, und die Hardware-Hersteller müssen ihre Schlösser durch die Testlabore jagen. Es ist der Startschuss für eine Infrastruktur, die das physische Schlüsselbund irgendwann zum Relikt für Nostalgiker macht.
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