Ab dem 1. Juli 2026 ändert sich der Einkauf bei Plattformen wie Temu, AliExpress, Shein oder Amazon Haul spürbar. Die EU schafft die bisherige Zollbefreiung für viele Kleinsendungen bis 150 Euro ab. Bisher konnten solche Pakete zollfrei in die EU kommen. Künftig greift eine befristete 3-Euro-Zollabgabe für niedrigpreisige Sendungen aus Nicht-EU-Ländern.
Der angezeigte Schnäppchenpreis ist nicht mehr automatisch der relevante Endpreis. Besonders bei sehr günstigen Artikeln kann die neue Abgabe den Kauf deutlich weniger attraktiv machen. Ein Gadget für 4 Euro wirkt anders, wenn zusätzlich 3 Euro Zoll anfallen.
Die 3 Euro gelten nicht einfach pro Paket
Der wichtigste Punkt steckt im Detail. Die 3-Euro-Abgabe wird nicht pauschal einmal pro Paket berechnet. Sie gilt pro unterschiedlichem Artikel beziehungsweise pro Tarifposition innerhalb einer Sendung. Die EU-Kommission nennt als Beispiel: Fünf T-Shirts lösen einmal 3 Euro aus. Ein T-Shirt plus eine Uhr lösen 6 Euro aus.
Das macht gemischte Warenkörbe teurer. Bestellst Du nur mehrere ähnliche Produkte, bleibt es eher überschaubar. Mischst Du Kleidung, Elektronik, Schmuck, Küchenzubehör und Deko in eine Lieferung, können aus 3 Euro schnell 9, 12 oder 15 Euro werden.
Die Kostenfalle liegt im gemischten Warenkorb
Viele Plattformen sind darauf gebaut, dass Du spontan mehrere Kleinteile zusammenklickst. Genau dieses Verhalten wird durch die neue Regel unattraktiver. Ein Warenkorb mit einem USB-Kabel, einem T-Shirt, einer Handyhülle und einem Küchenhelfer kann mehrere Tarifpositionen enthalten. Dann fällt die Abgabe mehrfach an.
Dazu kommt weiterhin die Einfuhrumsatzsteuer. Sie ist von der neuen Zollabgabe getrennt. Bei vielen großen Plattformen wird die Mehrwertsteuer bereits beim Kauf über das Import-One-Stop-Shop-Verfahren, kurz IOSS, eingezogen. Trotzdem solltest Du prüfen, ob Steuern und Abgaben im Checkout klar ausgewiesen sind. Die EU beschreibt die neue 3-Euro-Regel ausdrücklich als Zollabgabe, nicht als Ersatz für die Umsatzsteuer.
Wer die Abgabe zahlt, kann trotzdem Dich betreffen
Formal richtet sich die neue Abgabe meist an den Anmelder der Ware, also Händler, Plattform, Importeur oder deren Dienstleister. Die EU-Kommission betont, dass Verbraucher nur in Ausnahmefällen direkt zahlen sollen. Praktisch können Händler die Kosten aber in Preise, Versandgebühren oder Servicepauschalen einrechnen.
Deshalb lohnt sich der Blick auf den Endpreis stärker als früher. Entscheidend ist nicht, ob ein Artikel einzeln billig aussieht. Entscheidend ist, was am Ende inklusive Versand, Steuer, Zollabgabe und möglicher Plattformgebühren auf der Rechnung steht.
EU-Lager werden wichtiger
Nicht jede Bestellung bei Temu, AliExpress oder Shein ist automatisch betroffen. Entscheidend ist, von wo die Ware tatsächlich verschickt wird. Produkte, die bereits in der EU lagern und aus einem EU-Lager an Dich versendet werden, laufen nicht als direkte Kleinsendung aus einem Drittland durch den Zoll.
Für Dich wird der Versandort damit zum wichtigsten Filter. Achte auf Hinweise wie Versand aus Deutschland, Versand aus der EU oder lokales Lager. Noch wichtiger ist der Checkout: Wenn dort keine saubere Aufschlüsselung steht, kann aus dem günstigen Kauf später eine Nachzahlung oder ein undurchsichtiger Gebührenmix werden.
Die Regel ist nur der Übergang
Die 3-Euro-Abgabe ist befristet. Sie soll bis zum 1. Juli 2028 gelten. Danach soll der EU Customs Data Hub für E-Commerce starten und die Zollabwicklung stärker digitalisieren. Ab dann sollen für solche Waren wieder die normalen Zollsätze je nach Produktart gelten.
Schon vorher kommt ein weiterer Schritt: Ab dem 1. November 2026 werden Produktkennungen verpflichtend, damit Zollbehörden Artikel besser nachverfolgen und riskante Produkte schneller herausfiltern können. Hintergrund ist nicht nur unfairer Wettbewerb. Die EU verweist auch auf Kontrollen aus dem Jahr 2025, bei denen über 60 Prozent geprüfter Produkte in Bereichen wie Kosmetik, Spielzeug, Nahrungsergänzung, Elektronik und Schutzausrüstung EU-Anforderungen nicht erfüllten.
So bestellst Du künftig günstiger
Der einfachste Hebel ist ein sauberer Warenkorb. Bestelle ähnliche Artikel zusammen und mische nicht unnötig viele Produktarten in eine Sendung. Prüfe den Versandort vor dem Kauf. Vergleiche den Endpreis mit EU-Händlern, nicht nur den Artikelpreis. Und schau im Checkout genau hin, ob Steuern, Zollabgaben und Versandkosten transparent ausgewiesen werden.
Bei sehr günstigen Kleinteilen kann der Direktimport aus Nicht-EU-Ländern ab Juli schnell seinen Reiz verlieren. Bei größeren Warenkörben entscheidet vor allem die Struktur: Je mehr unterschiedliche Produktarten in einem Paket landen, desto eher frisst die neue Abgabe den Preisvorteil auf.
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