Die EU setzt den Rotstift an einer Stelle an, die Millionen Online-Shopper kennen: der Zollfreigrenze. Was bislang unter 150 Euro lag, rutschte bequem am Zoll vorbei. Künftig endet diese Komfortzone. Die Finanz- und Wirtschaftsminister der EU-Staaten haben sich auf eine komplette Abschaffung der Grenze geeinigt. Alles wird zollpflichtig - auch das 2-Euro-Kabel aus Shenzhen.
Der Schritt soll verhindern, dass europäische Händler dauerhaft im Preislimbo gegen Plattformen wie AliExpress oder Temu antreten müssen. Viele Billigimporte kamen bisher als Kleinsendungen deklariert nach Europa, gern aufgesplittet in dutzende Mikro-Päckchen. Der Effekt: Dumpingpreise für Konsumenten, Wettbewerbsnachteile für EU-Händler - und ein Paketaufkommen, das jeder Öko-Bilanz höhnisch ins Gesicht lacht.
Besonders beliebt war das Tricksen mit Fantasiewerten. Bis zu zwei Drittel der Kleinsendungen seien laut EU-Schätzungen zu niedrig angegeben, um Abgaben zu umgehen. Das klingt nicht nach Einzelfällen, sondern nach einem Massensport, der sich langfristig wirtschaftlich rächt. Österreichs Wirtschaftsminister nannte Billigimporte „eine Gefahr für heimische Betriebe“ - ein Statement, das man ohne großes Pathos nachvollziehen kann.
Ganz so schnell ändert sich trotzdem nichts. Für die Abschaffung braucht die EU eine zentrale Plattform für Zolldaten. Dieses System ist noch in Arbeit, und nach aktueller Planung wird es frühestens 2028 starten. Ohne digitales Fundament gibt es keine europaweit einheitliche Abwicklung - und auch keinen Zoll auf Jeden-Krimskrams.
Weil niemand bis 2028 warten will, arbeiten die Mitgliedstaaten an einer Übergangsregel ab 2026. Ein vereinfachtes Verfahren soll Zölle auf Kleinsendungen schon vorher ermöglichen, bis die große Zollplattform fertig ist. Wie simpel „vereinfacht“ am Ende wirklich wird, bleibt abzuwarten. Erfahrung zeigt: „EU-weit“ und „unkompliziert“ sind selten stabile Synonyme.
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