Es fühlt sich ein wenig an wie ein Deja-vu, nur mit anderen Zahlen. Amazon experimentiert mal wieder an der Preisschraube für alle, die sich bisher gegen das Prime-Abo gewehrt haben. Wer keine Lust auf die monatliche oder jährliche Pauschale hat, muss nun deutlich tiefer in die Tasche greifen oder den Warenkorb voller packen: Der Mindestbestellwert für eine versandkostenfreie Lieferung ist auf 49 Euro gestiegen.
Wir erinnern uns: Erst im letzten Jahr gab es eine ähnliche Bewegung von 39 Euro nach oben. Amazon verkauft das Ganze, wie üblich, in feinstem Konzern-Sprech als „Innovation“ und „Test“, um das Einkaufserlebnis zu verbessern. Dass ein höherer Preis meistens eher das Erlebnis des Shareholder-Values verbessert als das des Kunden, der nur schnell ein einzelnes Buch oder ein Ladekabel braucht, versteht sich von selbst. Ob es bei diesen 49 Euro bleibt oder ob wir hier nur eine weitere Testphase sehen, lässt der Riese aus Seattle wie gewohnt offen.
Für dich bedeutet das in der Praxis eine neue Kalkulation beim Check-out. Wenn du die 49 Euro nicht reißt, fallen je nach Kategorie unterschiedliche Gebühren an. Bei Medien, Mode oder den hauseigenen Amazon-Geräten liegst du bei 2,99 Euro für die Haustür-Zustellung. Alles andere schlägt mit 3,99 Euro zu Buche. Ein kleiner Lichtblick für die Umwelt und den Geldbeutel bleibt die Lieferung an einen Amazon Locker oder eine Abholstation, die pauschal mit 1,99 Euro bepreist wird, sofern man unter der magischen Grenze bleibt.
Wer es eilig hat, für den ändert sich im Grunde nichts, denn Premium- und Same-Day-Optionen waren für Nicht-Mitglieder ohnehin nie ein günstiges Vergnügen. Hier zahlst du weiterhin zwischen 3,99 Euro für den Premiumversand und sportlichen 9,99 Euro für die Lieferung am selben Tag. Auch die Spezialtarife für FSK-18-Artikel oder Sperrgut bleiben von der aktuellen Änderung weitestgehend unberührt.
Man muss kein Analyst sein, um zu sehen, wohin die Reise geht. Der Druck, die Leute ins Prime-Ökosystem zu schubsen, wächst. Die 49 Euro sind eine Hürde, die man bei Kleingeräten oder Verbrauchsmaterial nicht mal eben so im Vorbeigehen nimmt. Wer also nicht sammeln will, bis der Warenkorb die kritische Masse erreicht, zahlt künftig entweder drauf oder überlegt sich doch noch mal, ob sich die Prime-Mitgliedschaft am Ende nicht doch durch die gesparten Versandkosten amortisiert. Genau das dürfte das Kalkül hinter der „Innovation“ sein.
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