Kahlschlag und Konsolidierung: Das neue TV-Portfolio von ARD und ZDF

Christian Palm • 04.03.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
ARD und ZDF stellen zum Jahresende 2026 drei Sender ein und bündeln Angebote wie ONE, tageschau24 und ZDFneo unter neuen, gemeinsamen Marken.
Öffentlich-rechtliche ARD ZDF

Die Ära der unzähligen Spartenkanäle im öffentlich-rechtlichen Rundfunk neigt sich ihrem Ende zu. Ab dem 31. Dezember 2026 wird das lineare TV-Angebot deutlich schlanker. ARD alpha, tagesschau24 und ONE verschwinden komplett vom Bildschirm. Wer jetzt einen radikalen Sparkurs vermutet, liegt nur teilweise richtig - es geht primär um eine Umstrukturierung, die den längst überfälligen digitalen Wandel abbilden soll.

Anstatt nebeneinander her zu senden, setzen ARD und ZDF künftig auf Kooperation unter drei zentralen Dachmarken. Das bisherige ONE wird mit ZDFneo zu einer neuen Marke namens "neo" verschmolzen, die sich gezielt an ein jüngeres Publikum richten soll. Das Informationssegment wird unter dem Label "phoenix" gebündelt, wobei hier die Expertise von ARD aktuell und ZDFheute zusammenfließen soll. Den Bereich Dokumentation übernimmt künftig "info", das aus dem bisherigen ZDFinfo hervorgeht.

Diese Konsolidierung ist kein Zufall, sondern die direkte Umsetzung des Reformstaatsvertrags. Man hat eingesehen, dass zwei getrennte Apparate für ähnliche Zielgruppen in Zeiten von On-Demand-Streaming und sinkenden linearen Quoten kaum noch zu rechtfertigen sind. Dass mit dem KiKA sogar der Kinderkanal langfristig seine lineare Ausstrahlung verlieren und zum reinen Online-Angebot werden soll, unterstreicht die Ernsthaftigkeit dieser Strategie.

Für die Sender bedeutet das in den kommenden Monaten vor allem bürokratische Feinarbeit. Arbeitsgruppen müssen Workflows und Programmplanungen harmonisieren, die bisher in getrennten Welten funktionierten. Dass dieser Prozess laut den Intendanten "keine leichte Arbeit" war, lässt erahnen, wie tief die Gräben zwischen den Häusern teilweise noch sind.

Am Ende steht der Versuch, durch Bündelung der Ressourcen gegen die globale Streaming-Konkurrenz bestehen zu können. Ob die neuen Gemeinschaftsmarken tatsächlich die Relevanz behalten, die man sich erhofft, wird sich ab Januar 2027 zeigen, wenn der neue Sendeplan offiziell an den Start geht. Der Fokus verschiebt sich damit endgültig weg von der Frequenzbelegung hin zur Content-Marke im Netz.

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