Brüssel wirft die 300-Millionen-Euro-Spritze an: Reicht das gegen Big Tech?

Michi Neumann • 19.01.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Die EU investiert 307 Millionen Euro in KI, Robotik und Quantentechnologie. Reicht das für strategische Autonomie gegen die USA und China? Alle Fakten hier.
Europa Flagge

Die EU-Kommission hat mal wieder das Scheckbuch gezückt und im Rahmen des „Horizont Europa“-Programms zwei neue Ausschreibungen gestartet. Insgesamt 307,3 Millionen Euro liegen auf dem Tisch, um die digitale Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents zu sichern. Das Ziel klingt wie immer gewaltig: Man möchte technologisch nicht den Anschluss verlieren und die strategische Autonomie Europas zementieren. Ob man mit dem Gegenwert eines halben Fußballstadions gegen die Multi-Milliarden-Budgets aus dem Silicon Valley ankommt, bleibt natürlich die spannende Preisfrage, aber zumindest der Wille ist erkennbar.

Der größte Brocken des Budgets, stolze 221,8 Millionen Euro, fließt in die Entwicklung vertrauenswürdiger KI und innovativer Datendienste. Dabei beschränkt man sich in Brüssel nicht nur auf ein bisschen Software-Bastelei, sondern greift tief in die Kiste der Zukunftstechnologien: Robotik, Quantentechnologien, Photonik und virtuelle Welten stehen auf dem Zettel. Besonders charmant ist die „Open Internet Stack Initiative“, die mit über 40 Millionen Euro gefördert wird. Hier geht es darum, die Infrastruktur unter unseren Apps so zu biegen, dass sie als digitale Gemeingüter mehr Unabhängigkeit schaffen. Ein hehres Ziel, während der Rest der Welt meistens damit beschäftigt ist, den nächsten Walled Garden hochzuziehen.

Die verbleibenden 85,5 Millionen Euro widmet die Kommission der sogenannten offenen strategischen Autonomie. In diesem Cluster sucht man nach Projekten, die KI-Agenten der nächsten Generation entwickeln oder Robotik für Industrie und Service auf das nächste Level heben. Auch die Forschung an neuen Materialien mit Sensorfunktionen wird hier bedacht. Das Ganze richtet sich an ein breites Spektrum von Akteuren - von der klassischen Verwaltung über Hochschulen bis hin zu Unternehmen, die sich zutrauen, die europäische Souveränität im Weltraum und in der Industrie zu verteidigen.

Wer jetzt schon die Projektpläne in der Schublade hat oder glaubt, die Antwort auf die Dominanz der Tech-Giganten gefunden zu haben, kann seinen Antrag bis zum 15. April 2026 einreichen. Die Details dazu verstecken sich wie üblich im Funding & Tenders Portal der EU. Man darf gespannt sein, ob diese Investitionen am Ende wirklich für den großen Sprung reichen oder ob wir uns lediglich eine sehr teure, aber immerhin autonome Nische einrichten.

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