Es gibt diese Orte, an denen die digitale Welt einfach aufhört. Meistens passiert das genau dann, wenn man im Wald die Navigation braucht oder in einem abgelegenen Tal eine Nachricht absetzen will. Die Telekom hat nun eine Lösung präsentiert, die nicht auf dem Boden, sondern etwa 550 Kilometer darüber liegt. In einer Kooperation mit Elon Musks Raumfahrtunternehmen Starlink sollen die verbleibenden Funklöcher in Deutschland und neun weiteren europäischen Ländern geschlossen werden.
Der technische Ansatz nennt sich Direct-to-Device. Das Prinzip ist so simpel wie elegant: Anstatt dass dein Smartphone nach einem terrestrischen Mast sucht, der hinter dem nächsten Berg versteckt ist, kommuniziert es direkt mit den Satelliten im erdnahen Orbit. Das Besondere daran ist, dass du dafür kein klobiges Satellitentelefon mit ausziehbarer Antenne mehr brauchst. Moderne Smartphones, die bereits 5G- oder LTE-fähig sind, sollen die Verbindung ohne zusätzliche Hardware-Modifikationen herstellen können.
Man merkt der Telekom an, dass sie hier einen pragmatischen Weg geht. Während der Netzausbau am Boden bei 90 Prozent Flächenabdeckung für 5G stagniert, wird das letzte Zehntel oft zum wirtschaftlichen und bürokratischen Albtraum. Naturschutzgebiete oder tief eingeschnittene Täler lassen sich kaum mit herkömmlichen Masten erschließen - entweder weil es untersagt ist oder weil die Kosten für ein paar Wanderer pro Woche schlicht nicht im Verhältnis stehen. Hier übernimmt künftig die V2-Satellitenflotte von Starlink.
Bis wir tatsächlich im tiefsten Forst unterbrechungsfrei streamen können, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen. Der kommerzielle Start ist für Anfang 2028 angesetzt. Das liegt vor allem daran, dass die notwendige Infrastruktur im All erst noch vervollständigt werden muss. Sobald das System steht, dient es nicht nur dem Komfort im Funkloch, sondern fungiert auch als Backup. Sollte die Infrastruktur am Boden - etwa bei Naturkatastrophen - ausfallen, bliebe die Kommunikation über den direkten Draht nach oben gesichert.
Es ist eine interessante Dynamik: Der konservative Riese aus Bonn holt sich den Silicon-Valley-Draufgänger ins Boot, um ein Problem zu lösen, an dem sich die Branche seit Jahrzehnten abarbeitet. Während Konkurrenten wie Amazon mit dem Kuiper-Projekt noch in den Startlöchern stehen, schafft die Telekom hier vollendete Tatsachen. Es ist kein Marketing-Gag, sondern die Anerkennung der Tatsache, dass Erdkrümmung und Topografie manchmal einfach stärker sind als jeder Funkmast.
Kommentare (0)