Windows 10: Deutschlands riskante Liebe zum Alten

Christian Palm • 25.01.2026
2 Min. Lesezeit • 1 Kommentar
Rund 10 Millionen deutsche Privat-PCs laufen noch mit Windows 10. Warum das Zögern beim Umstieg trotz Galgenfrist ein Sicherheitsrisiko bleibt.
Microsoft Windows Taste Tastatur

Es ist eine dieser alten Gewohnheiten, die wir im Tech-Bereich nur schwer ablegen können. Man hat sich an die Ecken und Kanten seines Betriebssystems gewöhnt, alles läuft stabil, und die Hardware ist eigentlich noch zu gut für den Schrottplatz. Doch die Zahlen deseuropäischen Cybersecurity-Unternehmens Eset sprechen eine deutliche Sprache: Fast die Hälfte der rund 21 Millionen privaten Windows-Rechner in Deutschland hält hartnäckig an Windows 10 fest. Das ist charmant nostalgisch, technisch gesehen aber langsam ein echtes Problem.

Eigentlich war das offizielle Ende bereits für den vergangenen Oktober angesetzt. Dass Microsoft nach ordentlich Druck von Verbraucherschützern noch eine Gnadenfrist für Privatnutzer in der EU bis Oktober 2026 gewährt hat, ist ein nettes Geschenk, ändert aber nichts an der Grundthematik. Wir verschieben das Unausweichliche. Während Unternehmen bereits tief in die Tasche greifen müssen, um weiterhin Sicherheitsflicken zu erhalten, surfen viele Privatanwender quasi auf einer geliehenen Zeitwelle.

Sicherheitsexperten von Eset warnen nicht ohne Grund vor einem Ritt auf der Rasierklinge. Die nackten Zahlen aus dem letzten Jahr sind wenig schmeichelhaft für die Software-Qualität insgesamt: Die Anzahl der geschlossenen Sicherheitslücken bei Microsoft-Produkten ist 2025 um fast zwölf Prozent gestiegen. Wer also glaubt, sein altes System sei "ausgereift" und deshalb sicher, unterliegt einem gefährlichen Trugschluss. Neue Angriffsvektoren scheren sich nicht um das Alter einer Software.

Das Problem beim Umstieg ist oft gar nicht die mangelnde Lust auf ein neues Design, sondern die Hardware-Hürde. Windows 11 stellt Anforderungen, die viele eigentlich noch fitte PCs offiziell ins Aus befördern. Wer jetzt noch auf Windows 10 setzt, nutzt die verbleibenden Monate hoffentlich nicht zum Aussitzen, sondern zur Planung. Denn wenn im kommenden Oktober die letzte Klappe fällt, wird aus der gewohnten Umgebung über Nacht ein offenes Scheunentor für Exploits.

Es ist wie mit dem Zahnarzttermin: Man kann ihn schieben, aber besser wird die Situation dadurch selten. Ob man nun in neue Hardware investiert oder sich mit den (inzwischen recht stabilen) Workarounds für Windows 11 beschäftigt - die Zeit der Ausreden läuft ab.

Kommentare (3)

Jörg
25.01.2026 - 19:47 Uhr
Meine Firma nutzt noch Windows 7 ... darfste niemandem erzählen!
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