EU-Zwang: Microsoft entbündelt weltweit Teams von Office

Christian Palm • 16.05.25 - 17:57 Uhr
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Microsoft trennt Teams von Office - als Reaktion auf Kartellvorwürfe der EU. Doch das Zugeständnis kommt spät und wirkt nicht ganz freiwillig.
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Microsoft kappt die Verbindung zwischen Office und Teams - und zwar nicht, weil das plötzlich sinnvoll erscheint, sondern weil Brüssel den Atem im Nacken hat. Hintergrund ist eine Kartelluntersuchung der EU-Kommission, ausgelöst durch eine Beschwerde von Slack im Jahr 2020. Der Vorwurf: Microsoft hat mit der Office-Bündelung von Teams systematisch den Wettbewerb behindert.

Jetzt will der Konzern das Bündel auflösen. Die Office-365-Pakete kommen künftig ohne Teams - dafür etwas günstiger. Wer Teams nutzen will, kann es separat buchen. Was nach Großzügigkeit klingt, ist in Wahrheit eine klassische Schadensbegrenzung. Denn Microsoft hat vier Jahre gebraucht, um auf den Vorwurf überhaupt zu reagieren.

Die EU sieht sich derweil bestätigt. Teams wurde 2017 still und leise zu Office hinzugefügt - just zu dem Zeitpunkt, als Microsoft Skype for Business in Rente schickte. Während der Pandemie explodierten die Nutzerzahlen, auch weil vielen Unternehmen gar nichts anderes übrig blieb. Wer Office hatte, hatte auch Teams - fertig war die Marktverdrängung.

Die angekündigten Änderungen sollen nicht nur in Europa gelten, sondern weltweit. Das dürfte weniger mit Einsicht zu tun haben, sondern eher damit, dass Microsoft sich ein Flickenteppich-Modell gar nicht leisten kann - weder technisch noch PR-mäßig.

Slack, mittlerweile bei Salesforce, dürfte sich bestätigt fühlen. Doch ob dieser Schritt ausreicht, um echten Wettbewerb zu ermöglichen, ist fraglich. Wer jahrelang mit dem Beipack-Zwang gearbeitet hat, bleibt im Vorteil - auch wenn der Anhang jetzt fehlt. Die Marktmacht bleibt.

Die EU könnte trotzdem auf einer Strafe bestehen. Denn der Schaden ist angerichtet, und die Aufräumarbeiten kommen spät. Dass Microsoft jetzt plötzlich Interoperabilität betont und Konkurrenzprodukte einlädt, sich in Outlook und Co. zu integrieren, wirkt - sagen wir mal - opportun.

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