Es war ein Versprechen, das Sam Altman lange Zeit wie ein Schutzschild vor sich hergetragen hat: Werbung in ChatGPT sei nur ein „letzter Ausweg“. Doch dieser Ausweg scheint nun direkt vor der Tür zu stehen. Wie CNBC berichtet, beginnt OpenAI bereits heute mit ersten Tests, um Anzeigen direkt in die Benutzeroberfläche seines Chatbots zu integrieren. Damit schlägt das Unternehmen einen gänzlich anderen Weg ein als die Konkurrenz von Anthropic, die Claude erst kürzlich medienwirksam zur werbefreien Zone erklärt hat.
Die Umsetzung folgt dabei dem typischen „Freemium“-Muster. Wer nichts zahlt oder im günstigen „Go“-Tarif unterwegs ist, wird künftig mit Anzeigen konfrontiert. Diese sollen laut OpenAI klar gekennzeichnet sein und in einem separaten Bereich unterhalb der KI-Antworten erscheinen. Das Ziel ist ambitioniert: Langfristig soll die Hälfte der Einnahmen über das Ad-Business generiert werden. Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass die immensen Rechenkosten der neuen Modelle (wie das gerade erst gestartete GPT-5.3-Codex) nach neuen Geldquellen schreien.
Interessant wird es beim Thema Datenschutz. OpenAI betont, dass die Gesprächsinhalte nicht direkt mit Werbetreibenden geteilt werden. Dennoch sollen die Anzeigen „personalisiert“ sein und auf dem basieren, was für dich nützlich sein könnte. Das ist ein schmaler Grat: Die KI weiß im Zweifelsfall sehr genau, was dich gerade beschäftigt. Wenn du über deine Urlaubsplanung chattest, ist der passende Link zum Reisebüro unter der Antwort technisch nur einen kleinen Klick entfernt.
Ob die Qualität der Antworten wirklich unbeeinflusst bleibt, wenn im Hintergrund Millionen an Werbegeldern fließen, muss sich erst noch zeigen. Die Versuchung, eine Antwort subtil so zu formulieren, dass der Klick auf die Anzeige logischer erscheint, ist systemimmanent. Wer das umgehen will, muss wohl oder übel tiefer in die Tasche greifen: Die teureren Plus- und Pro-Abos bleiben vorerst werbefrei.
Am Ende ist es der klassische Deal im Silicon Valley: Wenn das Produkt „gratis“ ist, bist du - oder in diesem Fall deine Aufmerksamkeit - das Produkt. OpenAI macht hier keine Ausnahme mehr.
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