Tinder will wieder funken - und setzt dabei auf künstliche Intelligenz. Nach neun Quartalen in Folge mit sinkenden Abozahlen testet die Dating-App ein neues Feature namens „Chemistry“, das Nutzer besser kennenlernen soll. Der Clou: Mit Zustimmung durchsucht die KI auch die Foto-Galerie des Smartphones, um mehr über Hobbys und Interessen zu erfahren.
Das Feature wird derzeit in Neuseeland und Australien erprobt und soll laut Match-Group-CEO Spencer Rascoff ein „zentraler Bestandteil der Tinder-Erfahrung 2026“ werden. Die Idee klingt nach digitalem Seelenstriptease: Wer viele Fotos vom Wandern, Klettern oder Reisen hat, soll mit Menschen gematcht werden, die ähnliche Interessen zeigen.
Tinder steht unter Druck. Der Umsatz sank im dritten Quartal um 3 %, die Zahl der zahlenden Nutzer sogar um 7 % im Jahresvergleich. Die Match Group rechnet im vierten Quartal mit einem zusätzlichen Umsatzrückgang von 14 Millionen Dollar durch die laufenden Tests - ein teures Experiment, das trotzdem als Investition in die Zukunft verkauft wird.
Neben Chemistry experimentiert Tinder auch an anderer Stelle mit KI. Ein LLM-basiertes System warnt Nutzer, bevor sie möglicherweise beleidigende Nachrichten abschicken - mit der charmanten Frage: „Are you sure?“ Außerdem hilft die KI, die „besten“ Profilfotos auszuwählen.
Parallel schraubt Tinder weiter an der App selbst: neue Dating-Modi, Doppel-Dates, Gesichtsverifizierung und ein Redesign mit mehr Profilinfos auf der ersten Karte. All das soll den Abwärtstrend stoppen - in einem Markt, in dem junge Nutzer zunehmend auf reale Begegnungen statt auf swipende Daumen setzen.
Während Konkurrenten wie Meta ebenfalls KI-Zugriff auf lokale Fotos fordern, bleibt fraglich, welchen echten Mehrwert Nutzer von dieser Datentiefe haben. Denn so romantisch die Idee einer lernfähigen Match-KI klingt - die Liebe bleibt am Ende immer noch ein analoges Chaos.
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