Proton Lumo 2.0: Private KI bekommt Reasoning, Bilder und Gedächtnis

Christian Palm • 01.07.26 - 06:30 Uhr
4 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Proton Lumo 2.0 bringt Reasoning, Bildfunktionen, Memory und bessere Websuche. Das private KI-Tool rückt näher an ChatGPT und Claude.
Proton

Proton hat Lumo 2.0 gestartet und damit den bisher größten Ausbau seines privaten KI-Assistenten veröffentlicht. Die neue Version bringt Reasoning, Bildanalyse, Bildgenerierung, Bildbearbeitung, Memory, eigene Assistenten und eine stärkere Websuche. Damit rückt Lumo funktional näher an etablierte KI-Tools wie ChatGPT und Claude heran, bleibt aber klar auf Datenschutz ausgerichtet.

Das Kernproblem ist simpel: Viele Nutzer wollen KI für Texte, Recherche, Bilder oder Dokumente verwenden, möchten aber keine sensiblen Daten in Systeme kippen, die für Training, Profilbildung oder Analyse genutzt werden könnten. Proton positioniert Lumo genau gegen dieses Gefühl. Die Frage ist nicht mehr nur, ob eine KI stark genug ist. Die Frage ist, ob Du ihr Deine Daten anvertrauen willst.

Reasoning macht Lumo 2.0 deutlich nützlicher

Lumo 2.0 wurde laut Proton auf einer neuen Architektur aufgebaut. Besonders sichtbar wird das bei der Leistung. Lumo 2.0 Lite soll im Artificial Analysis Intelligence Index 127 Prozent besser abschneiden als Lumo 1.4. Lumo 2.0 Max kommt laut Proton sogar auf ein Plus von 240 Prozent. Der Index bündelt mehrere Bewertungen aus Bereichen wie Coding, wissenschaftlichem Denken, Agenten-Aufgaben und Allgemeinwissen.

Neu sind außerdem zwei Arbeitsmodi. Der schnelle Modus ist für alltägliche Fragen gedacht. Der Thinking-Modus soll komplexere Aufgaben mit mehreren Schritten besser lösen. Das ist wichtig, weil private KI-Assistenten bisher oft bei genau diesen Aufgaben zurücklagen: planen, abwägen, längere Dokumente verstehen oder mehrere Anforderungen sauber verbinden.

Bilder werden Teil des privaten Workflows

Mit Lumo 2.0 wird der Assistent multimodal. Du kannst Bilder hochladen und analysieren lassen, neue Bilder aus Prompts erzeugen, bestehende Bilder bearbeiten oder aus einer groben Skizze ein fertigeres Motiv erstellen. Auch Diagramme, Screenshots oder Dokumentbilder lassen sich auswerten.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in der Funktion selbst. Bildfunktionen haben viele KI-Tools. Proton verspricht aber, dass auch diese Inhalte durch Zero-Access-Verschlüsselung geschützt werden. Hochgeladene und erzeugte Bilder sollen so gespeichert werden, dass selbst Proton keinen Zugriff darauf hat. Für private Fotos, interne Entwürfe oder vertrauliche Arbeitsmaterialien ist das der eigentliche Nutzen.

Memory mit Kontrolle statt stiller Profilbildung

Lumo kann jetzt Informationen über Dich und Deine Arbeitsweise über Gespräche hinweg behalten. Das kann nützlich sein, wenn der Assistent Deinen Schreibstil kennt, wiederkehrende Projekte versteht oder bestimmte Vorlieben nicht jedes Mal neu erklärt bekommen muss. Gleichzeitig ist Memory bei KI ein sensibles Thema, weil aus Komfort schnell ein dauerhaftes Nutzerprofil werden kann.

Proton versucht dieses Problem über Kontrolle zu lösen. Du entscheidest, was Lumo speichern darf, was gelöscht wird und was nie gelernt werden soll. Dazu kommt ein größeres Kontextfenster, damit längere Gespräche, Dokumente und Datensätze besser verarbeitet werden können.

Custom Lumos sparen wiederholte Anweisungen

Eine weitere Neuerung sind Custom Lumos. Das sind eigene Assistenten mit festen Anweisungen. Du kannst Dir also einen Lumo für Recherche, einen für Texte, einen für Code-Reviews oder einen für interne Unternehmensprozesse bauen. Die Idee ist bekannt von Custom GPTs oder Claude-Projekten, wird hier aber in Protons privater Umgebung umgesetzt.

Für Teams ist das besonders interessant. Statt bei jeder Unterhaltung den Kontext neu zu erklären, lassen sich Rollen, Tonalität, Regeln und Aufgaben dauerhaft festlegen. Das spart Zeit und reduziert Fehler, weil der Assistent nicht jedes Mal neu „eingestellt“ werden muss.

Websuche wird aktueller und besser prüfbar

Lumo 2.0 bekommt außerdem eine deutlich verbesserte Websuche. Der Assistent kann Live-Ergebnisse abrufen, Quellen zitieren und Informationen zu aktuellen Nachrichten, Finanzdaten oder Wetter in Widgets darstellen. Proton sieht das als wichtigen Schritt gegen veraltete oder erfundene Antworten.

Das macht Lumo für Recherche deutlich brauchbarer. Gerade bei aktuellen Themen reicht ein statisches Sprachmodell nicht aus. Entscheidend ist, ob die Antwort nachvollziehbar bleibt. Quellenangaben helfen Dir, Aussagen zu prüfen, statt einer KI blind zu vertrauen.

Der eigentliche Test beginnt jetzt

Lumo 2.0 ist ab sofort verfügbar. Max und Lite können kostenlos genutzt werden, für Teams gibt es zusätzlich einen Professional-Tarif. Proton bleibt bei seiner zentralen Zusage: keine Trainingsnutzung Deiner Gespräche, keine Logs, keine Datenweitergabe, Open Source, europäische Infrastruktur und Schutz durch Schweizer Datenschutzrecht.

Damit wird Lumo 2.0 spannender für alle, die KI nicht nur ausprobieren, sondern im Alltag mit sensiblen Inhalten nutzen wollen. Der Maßstab ist aber hoch. Proton muss nun zeigen, dass private KI nicht nur sicherer klingt, sondern im direkten Einsatz schnell genug, klug genug und bequem genug ist.

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