Produktiver mit KI - und trotzdem das soziale Risiko

Christian Palm • 10.05.2025 · 2 Min. Lesezeit
KI-Nutzer gelten am Arbeitsplatz als faul und ersetzbar. Eine neue Studie zeigt, warum viele ihre ChatGPT-Nutzung lieber geheim halten.
KI Chatbot

Wer im Büro ChatGPT oder Gemini nutzt, bekommt schneller das Etikett „faul“ verpasst, als ihm lieb ist - zumindest laut einer neuen Studie der Duke University. In der Untersuchung mit über 4.400 Teilnehmenden wurden KI-Nutzer:innen systematisch schlechter bewertet als ihre Kolleg:innen ohne Bot-Hilfe. Die Botschaft: Wer KI nutzt, wird für weniger kompetent, weniger engagiert und insgesamt ersetzbarer gehalten.

Besonders bitter: Diese Wahrnehmung zieht sich quer durch alle Altersgruppen, Branchen und Job-Level. Die Forscher sprechen von einem sozialen Dilemma: KI kann die Produktivität steigern, doch wer sie nutzt, zahlt mit Imageverlust - und möglicherweise mit Karrierechancen. In simulierten Bewerbungsgesprächen schnitten KI-affine Kandidaten schlechter ab - es sei denn, der Interviewer nutzte selbst KI. Dann kippte die Bewertung ins Positive.

Es zeigt sich ein altbekanntes Muster: Was man nicht versteht, wird skeptisch beäugt. Das erklärt auch, warum laut einer Pluralsight-Umfrage 31Prozent der Arbeitnehmenden ihre KI-Nutzung aktiv verschweigen. Und auf Führungsebene sind es sogar 73Prozent, die denken: Wer KI nutzt, ist vermutlich einfach nur zu faul, selbst zu denken.

Interessant ist, dass sich das Stigma abschwächt, wenn der KI-Einsatz sinnvoll und transparent erfolgt. Wer beispielsweise dokumentiert, wofür die KI verwendet wird - etwa zur Datenanalyse statt zur Ideenfindung - wird deutlich weniger kritisch beäugt. Die Forscher schließen daraus: Die Technologie ist nicht das Problem. Es sind die unausgesprochenen sozialen Normen im Büro, die KI zur heimlichen Helferin machen.

Während also die Politik über KI-Regulierung diskutiert und Unternehmen über Effizienzgewinne jubeln, stolpern viele Angestellte über ein ganz anderes Hindernis: die Meinungen ihrer Kolleg:innen. Willkommen in der Arbeitswelt 2025 - effizienter, aber voller stiller Urteile.

Kommentare (0)

Antwort auf:
Kommentar schreiben
CAPTCHA
Hinweis: Dein eingegebener Name und der Kommentartext werden zur Veröffentlichung gespeichert. Weitere Infos in unserer Datenschutzerklärung.