Wer im Büro ChatGPT oder Gemini nutzt, bekommt schneller das Etikett „faul“ verpasst, als ihm lieb ist - zumindest laut einer neuen Studie der Duke University. In der Untersuchung mit über 4.400 Teilnehmenden wurden KI-Nutzer:innen systematisch schlechter bewertet als ihre Kolleg:innen ohne Bot-Hilfe. Die Botschaft: Wer KI nutzt, wird für weniger kompetent, weniger engagiert und insgesamt ersetzbarer gehalten.
Besonders bitter: Diese Wahrnehmung zieht sich quer durch alle Altersgruppen, Branchen und Job-Level. Die Forscher sprechen von einem sozialen Dilemma: KI kann die Produktivität steigern, doch wer sie nutzt, zahlt mit Imageverlust - und möglicherweise mit Karrierechancen. In simulierten Bewerbungsgesprächen schnitten KI-affine Kandidaten schlechter ab - es sei denn, der Interviewer nutzte selbst KI. Dann kippte die Bewertung ins Positive.
Es zeigt sich ein altbekanntes Muster: Was man nicht versteht, wird skeptisch beäugt. Das erklärt auch, warum laut einer Pluralsight-Umfrage 31Prozent der Arbeitnehmenden ihre KI-Nutzung aktiv verschweigen. Und auf Führungsebene sind es sogar 73Prozent, die denken: Wer KI nutzt, ist vermutlich einfach nur zu faul, selbst zu denken.
Interessant ist, dass sich das Stigma abschwächt, wenn der KI-Einsatz sinnvoll und transparent erfolgt. Wer beispielsweise dokumentiert, wofür die KI verwendet wird - etwa zur Datenanalyse statt zur Ideenfindung - wird deutlich weniger kritisch beäugt. Die Forscher schließen daraus: Die Technologie ist nicht das Problem. Es sind die unausgesprochenen sozialen Normen im Büro, die KI zur heimlichen Helferin machen.
Während also die Politik über KI-Regulierung diskutiert und Unternehmen über Effizienzgewinne jubeln, stolpern viele Angestellte über ein ganz anderes Hindernis: die Meinungen ihrer Kolleg:innen. Willkommen in der Arbeitswelt 2025 - effizienter, aber voller stiller Urteile.
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