ChatGPT ist für viele längst die erste Anlaufstelle bei Symptomen, die man lieber nicht mit seinem echten Arzt bespricht - oder für die man schlicht keinen Termin bekommt. OpenAI hat das bemerkt und gießt das Ganze nun in ein offizielles Produkt: ChatGPT Health. Der Clou dabei ist die Verknüpfung mit deinen tatsächlichen Gesundheitsdaten. Anstatt nur vage über allgemeine Symptome zu philosophieren, soll die KI künftig Zugriff auf deine Laborergebnisse, Arztbriefe und die Daten deiner Fitness-Tracker haben.
Technisch gesehen schafft OpenAI hierfür einen separaten Bereich innerhalb der App. Das Unternehmen betont dabei auffällig oft, wie sicher und isoliert diese Daten gespeichert werden. Das ist auch nötig, denn das Vertrauen in die Datensicherheit bei KI-Firmen ist traditionell eher überschaubar. Deine Gespräche im Health-Bereich sollen nicht zum Training der Basismodelle verwendet werden. Eine nette Geste, die man bei OpenAI fast schon als Großzügigkeit interpretieren könnte, wäre es nicht eigentlich gesetzlicher Standard für sensible Gesundheitsdaten.
Interessant wird es bei der Integration: Du kannst Dienste wie Apple Health, MyFitnessPal oder in den USA sogar direkt deine elektronische Patientenakte verbinden. ChatGPT soll dir dann erklären, ob dein Cholesterinspiegel nur wegen der Pizza gestern oder chronisch zu hoch ist. OpenAI hat dafür nach eigenen Angaben über zwei Jahre lang mit 260 Ärzten zusammengearbeitet. Man will sicherstellen, dass die KI zwar präzise antwortet, aber im Zweifelsfall rechtzeitig sagt: "Geh lieber zum echten Arzt". Das ist die digitale Variante des Beipackzettels - sicherheitshalber wird jede Diagnose mit einem Disclaimer garniert.
Der Rollout startet zunächst für Nutzer der Bezahl-Abos und die Free-User - allerdings mit einem großen Haken für uns: Der Europäische Wirtschaftsraum, die Schweiz und das Vereinigte Königreich bleiben vorerst außen vor. Während Nutzer in den USA bereits ihre Labortests analysieren lassen, dürfen wir in Europa wahrscheinlich noch ein Weilchen warten, bis die hiesigen Datenschutzbehörden ihren Segen (oder ihre saftigen Bußgeldkataloge) präsentiert haben.
Insgesamt ist es der logische Schritt für OpenAI. Wenn die KI ohnehin schon als Hobby-Diagnostiker missbraucht wird, kann man es auch gleich offiziell machen und die passenden Daten-Schnittstellen dazu verkaufen. Ob man seiner KI-App wirklich die gesamte Krankengeschichte anvertrauen möchte, bleibt am Ende eine Frage der persönlichen Schmerzgrenze.
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