Ein Mathematiker auf dem Papstthron - und seine erste große Sorge gilt der Künstlichen Intelligenz. Leo XIV., der erste amerikanische Pontifex, hat in seiner Antrittsrede im Vatikan klare Worte gefunden: KI bedrohe die Würde des Menschen, die Gerechtigkeit - und nicht zuletzt die Arbeitswelt. Während im Silicon Valley weiter fleißig an immer klügeren Maschinen geschraubt wird, fordert der Vatikan verbindliche Regeln. International, nicht verhandelbar - und offenbar dringend.
Ein Affront für die Tech-Konzerne, die prompt reagieren: Vertreter von Google, Meta, IBM, Microsoft, Anthropic und Palantir machen sich auf den Weg nach Rom. Ziel: den Vatikan von den guten Seiten der KI zu überzeugen. Ein PR-Stunt mit Weihrauchbeilage?
Die Kirche indes hat längst gehandelt. Bereits Ende 2024 veröffentlichte der Vatikan eigene Richtlinien zum ethischen Umgang mit KI. Verboten: jede Technologie, die soziale Ungleichheit fördert oder die Menschenwürde verletzt. Und das gilt nicht nur für bösartige Roboter, sondern auch für diskriminierende Algorithmen im Personalwesen.
Leo XIV. knüpft mit seiner Haltung bewusst an die Soziallehre von Leo XIII. an. Der schrieb 1891 in der Enzyklika Rerum novarum über Kapital, Arbeit und den Schutz der Arbeiter im Industriezeitalter. Jetzt, 130 Jahre später, ist es eben nicht der dampfbetriebene Webstuhl, sondern die KI, die Existenzen gefährdet - still, effizient und mit einem hübschen Interface.
Ob der neue Papst ein Moratorium für KI durchsetzen kann? Eher unwahrscheinlich. Aber was er definitiv schafft: den Ton in der Debatte zu verändern. Und wer weiß - vielleicht beichtet bald der erste CEO einem Kardinal sein ChatGPT-Datenleck.
Kommentare (0)