Man muss sich das Szenario einmal kurz auf der Zunge zergehen lassen: Eine Milliarde Menschen nutzen dein Produkt, und trotzdem steuerst du sehenden Auges auf eine finanzielle Wand zu. Was bei klassischen Plattformen wie Instagram oder TikTok der heilige Gral war - erst die Masse, dann die Kohle -, entpuppt sich bei OpenAI gerade als systemischer Konstruktionsfehler. Während Mark Zuckerberg früher einfach ein paar Server mehr in den Keller stellte und die Werbemaschine anwarf, kostet bei generativer KI buchstäblich jeder einzelne Prompt echtes Geld.
Das Problem ist kein technologisches, sondern ein strukturelles. OpenAI hat zwar die Welt verändert, aber bisher vergessen, wie man damit nachhaltig Geld verdient. Wenn Sarah Friar (Finazchefin bei Open AI) davon spricht, dass mehr Ausgaben zwangsläufig zu mehr Einnahmen führen, klingt das weniger nach Silicon-Valley-Optimismus und mehr nach einer verzweifelten Wette auf ein Wunder. Die nackten Zahlen der Analysten von Bain & Company (via Business Punk) sprechen eine andere Sprache. Eine Finanzierungslücke von 800 Milliarden Dollar für die gesamte Branche ist kein kleiner Schluckauf, sondern ein handfestes Problem, besonders wenn man selbst Infrastrukturpläne in der Größenordnung von 1,4 Billionen Dollar jongliert.
Die Ironie an der Geschichte ist die Abhängigkeit der Großen. Nvidia, Microsoft und Oracle hängen so tief mit im Gebälk, dass ein Scheitern von OpenAI Schockwellen durch das gesamte Gefüge schicken würde. Aber während Microsoft oder Google ihre KI-Experimente durch sprudelnde Cloud- und Suchmaschinengeschäfte querfinanzieren können, hat OpenAI nur sein eines Pferd im Stall. Und dieses Pferd frisst deutlich mehr Gold, als es beim Rennen gewinnen kann. Nur etwa fünf Prozent der ChatGPT-Nutzer zahlen für ihren Account. Der Rest lässt sich von der Rechenpower füttern, die Investoren mit Milliardenbeträgen subventionieren.
Dass laut MIT-Studien bisher nur ein Bruchteil der KI-Projekte in Unternehmen echten Erfolg liefert, macht die Sache nicht einfacher. Wer jetzt seine gesamte IT-Strategie auf einen Partner wettet, der in 18 Monaten vielleicht nur noch eine Abteilung innerhalb von Microsoft ist, braucht starke Nerven. Der Hype-Zyklus nähert sich seinem harten Aufprall auf der Realität der Betriebswirtschaft. Es ist gut möglich, dass die Tech-Revolution ohne ihren bekanntesten Pionier weitergeht - einfach weil der am Ende die Stromrechnung nicht mehr begleichen konnte.
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