Die öffentlich-rechtlichen Dickschiffe ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle haben sich aus ihren Elfenbeintürmen gewagt und ein gemeinsames Regelwerk für die Welt der Algorithmen vorgelegt. Der KI-Kodex soll sicherstellen, dass die Beitragsgelder nicht ungefiltert in eine maschinelle Halluzination fließen, sondern bitteschön den hehren Werten des Rundfunkstaatsvertrags entsprechen. Es geht um sechs Leitlinien, die den Spagat zwischen technischem Fortschritt und bürokratischer Sorgfalt versuchen.
Ein zentraler Punkt ist die Erkenntnis, dass KI kein Selbstzweck sein darf. Wer gehofft hatte, die Verwaltung würde nun komplett von einer kühlen Logik übernommen, wird enttäuscht: KI dient lediglich als Werkzeug, um administrative Prozesse effizienter zu gestalten. Der Mensch bleibt der Chef im Ring, besonders in der Redaktion. Die publizistische Verantwortung liegt ausdrücklich bei echten Personen, nicht bei einem System, das vielleicht gerade nur die statistische Wahrscheinlichkeit des nächsten Wortes berechnet. Falls generative KI doch mal mitschreibt, muss das Ganze transparent gekennzeichnet werden - damit du weißt, ob die Tagesschau-Meldung von einem Redakteur oder einer fleißigen GPU stammt.
Natürlich darf das Thema Diskriminierung nicht fehlen. Die Sender betonen, dass sie sich der Stereotypen in Trainingsdaten bewusst sind. Filterblasen sollen aktiv bekämpft werden, während man gleichzeitig versucht, Angebote zu personalisieren - eine Aufgabe, bei der man den Algorithmen viel Glück wünschen möchte. Dass man bei der Auswahl von Basismodellen solche bevorzugt, die bei ihren Trainingsdaten keine Geheimnisse haben, klingt in der Theorie löblich, dürfte in der Praxis bei den großen Playern aus dem Silicon Valley aber für das eine oder andere Stirnrunzeln sorgen.
Spannend wird es beim Thema Nachhaltigkeit. Der Kodex schreibt vor, dass sowohl beim Finetuning als auch beim Betrieb auf Energieeffizienz geachtet wird. In Zeiten von riesigen Serverfarmen ist das ein ambitioniertes Versprechen. Ob man dafür im Gegenzug die Bitrate beim 4K-Streaming senkt oder einfach nur die Rechenzentren im Winter zum Heizen der Sendeanstalten nutzt, lässt das Papier offen. Immerhin will man in Zukunft enger zusammenarbeiten und Wissen austauschen, anstatt dass jede Landesrundfunkanstalt ihr eigenes Süppchen aus künstlicher Intelligenz kocht.
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