Edge wird zum Copilot: Microsofts Browser bekommt KI-Gesicht

Christian Palm • 06.01.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Microsoft testet eine Copilot-ähnliche Startseite in Edge. Was dahintersteckt, wohin die Reise geht und warum man sie nicht abschalten kann.
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Microsoft zieht die Copilot-Schraube weiter an. Nachdem Word, Paint und sogar Notepad bereits ihre KI-Dosis bekommen haben, ist nun auch der Browser an der Reihe. In den aktuellen Dev- und Canary-Versionen von Microsoft Edge begrüßt Dich beim Start kein klassisches New-Tab-Layout mehr, sondern eine Oberfläche, die stark an Copilot erinnert. Freundlicher Willkommensgruß inklusive Eingabefeld - als wäre der Browser weniger Werkzeug und mehr Gesprächspartner.

Entdeckt wurde das neue Design von Windows Central, die sich durch die Vorab-Versionen geklickt haben. Der erste Eindruck: Edge möchte, dass Du sofort eine Frage stellst. Recherche, Zusammenfassung, Planung - alles scheint möglich, zumindest optisch. Das Konzept erinnert nicht zufällig an den Comet-Browser von Perplexity, der ebenfalls auf eine KI-zentrierte Startseite setzt.

Technisch ist die Sache allerdings noch weniger revolutionär, als es die Oberfläche suggeriert. Die Eingabe landet derzeit weiterhin bei Bing oder führt zu klassischen Webtreffern. Von einer tief integrierten Copilot-Logik, die selbstständig Aufgaben übernimmt oder Inhalte browserübergreifend versteht, kann also noch keine Rede sein. Aber das Ziel ist ziemlich offensichtlich.

Microsoft verfolgt schon länger die Vision eines „agentischen Windows“. Gemeint ist ein Betriebssystem, in dem Copilot nicht nur Assistenzfunktion ist, sondern zentrale Schaltstelle zwischen Nutzer, Apps und System. Edge passt perfekt in dieses Bild. Der Browser wird vom Fenster ins Web zur Konversationsoberfläche für alles Digitale. Suchmaschine, Dateiverwaltung, Planungstool - am besten in einem Eingabefeld.

Weniger charmant ist die Tatsache, dass sich das neue Copilot-artige Startlayout aktuell nicht abschalten lässt. Selbst wer den Copilot-Modus deaktiviert, bekommt die neue Ansicht weiterhin serviert. Laut Windows Central ist unklar, ob das nur ein Eigenheit der Vorab-Versionen ist oder bereits ein bewusster Testballon. Microsoft könnte die Nutzer schlicht an den neuen Look gewöhnen wollen, bevor Copilot endgültig das Kommando übernimmt.

Für Fans klassischer Browser-Startseiten ist das keine gute Nachricht. Für Microsoft hingegen ist es konsequent. Edge soll nicht mehr nur mit Chrome konkurrieren, sondern Teil einer größeren KI-Erzählung werden. Ob Nutzer diesen Weg mitgehen oder sich nach Alternativen umsehen, dürfte sich zeigen, sobald die Funktion den Dev-Status verlässt.

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