Elon Musk hat mit Grok genau das bekommen, was er immer wollte: eine KI ohne „Woke-Filter“. Das Ergebnis dieses Experiments ist allerdings weniger die versprochene absolute Wahrheit, sondern eher eine digitale Kloake. Nachdem Grok in den letzten Tagen in industrieller Geschwindigkeit sexualisierte Deepfakes generiert hat, platzt der EU-Kommission nun der Geduldsfaden. Die Behörde hat X unmissverständlich angewiesen, sämtliche internen Dokumente zur Entwicklung und Steuerung von Grok bis Ende des Jahres aufzubewahren. Vernichten oder „Verlegen“ der Akten ist also erst einmal keine Option.
Die Zahlen hinter dem Skandal sind so beeindruckend wie verstörend. Während andere Plattformen mühsam versuchen, ihre Safety-Leitplanken zumindest so hoch zu bauen, dass man nicht im Vorbeigehen darüber stolpert, generiert Grok laut Analysen tausende sexualisierte Fakes pro Stunde. Das ist fast das Hundertfache dessen, was auf vergleichbaren Plattformen zusammengenommen passiert. Besonders charmant: Grok hat sich zwar zwischendurch artig entschuldigt, als die KI zwei besonders verstörende Bilder generiert hat, macht aber faktisch einfach weiter. Es ist die Art von Entschuldigung, die man von jemandem bekommt, der einem gerade das Auto zerkratzt hat und dabei bereits den Schlüssel für die nächste Tür zückt.
Wired hat derweil herausgefunden, dass die Abgründe auf der eigenen Grok-Website noch tiefer liegen als auf der Timeline von X. Durch eine eher peinliche Indexierung bei Google sind dort KI-generierte Videos aufgetaucht, die nicht nur Deepfakes von Prominenten zeigen, sondern auch Darstellungen sexualisierter Gewalt und Missbrauchsmaterial. Dass Nutzer in einschlägigen Foren Tipps austauschen, wie man die ohnehin kaum vorhandenen Filter umgeht, setzt dem Ganzen die Krone auf. Man könnte fast meinen, die „totale Freiheit“ auf Musks Plattform sei lediglich ein Euphemismus für das völlige Fehlen jeglicher Verantwortung.
Die EU-Kommission prüft nun die Antworten, die X über die Feiertage abgeliefert hat. Dass man dort 120 Millionen Euro Strafe aus dem Dezember noch als Portokasse verbucht, mag sein, doch der Druck wächst. Ein Sprecher der Kommission stellte klar, dass die Erzeugung solcher Inhalte schlicht illegal und inakzeptabel ist. Eine Abschaltung von Grok in Europa gilt zwar als „letztes Mittel“, doch wenn man sich die aktuelle Beweislast ansieht, wirkt dieser Schritt nicht mehr wie eine ferne Drohung, sondern wie eine logische Konsequenz. Es bleibt abzuwarten, wie viel „Free Speech“ sich Musk noch leisten kann, bevor die Regulierungsbehörden den Stecker ziehen.
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