Cupertino bittet Mountain View um Hilfe: Gemini zieht bei Apple ein

Christian Palm • 12.01.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Apple bestätigt die Partnerschaft mit Google: Gemini soll Siri und Apple Intelligence Beine machen. Ein teurer Deal für mehr KI-Kompetenz auf dem iPhone.
Apple iPhone Siri

Apple hat das Offensichtliche nun offiziell gemacht und bestätigt, dass Google Gemini künftig das Rückgrat für wesentliche Teile von Apple Intelligence bilden wird. In einem Statement gegenüber CNBC erklärte der Konzern gewohnt bescheiden, dass man nach „sorgfältiger Evaluierung“ festgestellt habe, dass Googles Technologie die fähigste Basis für die eigenen Modelle darstelle. Übersetzt aus der PR-Sprache bedeutet das: Die hauseigenen Bemühungen reichten wohl nicht ganz aus, um den Anschluss an die Konkurrenz zu halten, ohne sich beim Erzrivalen Schützenhilfe zu holen.

Die Partnerschaft ist auf mehrere Jahre angelegt und umfasst neben den Gemini-Modellen auch die Nutzung von Googles Cloud-Infrastruktur. Apple erkauft sich damit Kompetenz, die man intern offenbar nicht schnell genug skalieren konnte. Besonders pikant ist dabei der zeitliche Aspekt. Während Apple auf der WWDC 2024 vollmundig Funktionen wie Writing Tools, Genmoji und eine völlig neue Siri versprach, blieb letztere bisher weit hinter den Erwartungen zurück oder wurde schlicht verschoben. Apple gab bereits im letzten Mai zu, dass die Entwicklung der versprochenen Features länger dauert als geplant.

Berichten zufolge lässt sich Apple diese Nachhilfe einiges kosten. Rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr sollen nach Mountain View fließen, damit Siri endlich versteht, was Nutzer eigentlich von ihr wollen. Im Gespräch ist ein Modell mit 1,2 Billionen Parametern, das der Sprachassistentin zu echtem Kontextbewusstsein und App-übergreifenden Aktionen verhelfen soll. Es ist die ironische Pointe der aktuellen KI-Ära: Das Unternehmen, das Datenschutz und Unabhängigkeit als höchste Güter vermarktet, überweist Milliarden an den Datensammler Nummer eins, damit das iPhone beim Texten und Bilderbasteln nicht dumm aus der Wäsche schaut.

Ein konkretes Datum für den Rollout der Gemini-gestützten Funktionen gibt es zwar noch nicht, doch Branchenexperten rechnen mit einem Start noch in diesem Jahr. Apple wird dabei eine hybride Strategie fahren. Einfachere Aufgaben erledigen weiterhin die hauseigenen, auf On-Device-Verarbeitung optimierten Modelle, während für die komplexe Magie im Hintergrund die Google-Server angezapft werden. Ob das die „innovativen neuen Erfahrungen“ sind, von denen Apple träumt, oder einfach nur ein teures Eingeständnis der eigenen Rückstände, wird sich beim ersten echten Härtetest von Siri zeigen.

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