Code Red bei OpenAI: ChatGPT bremst Werbung wegen Google-Druck

Christian Palm • 09.12.2025
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
OpenAI dementiert aktive Werbetests in ChatGPT, schaltet irritierende Shopping-Vorschläge ab und ruft internen "Code Red" wegen Googles Gemini 3 aus.
ChatGPT OpenAI

Die Gerüchteküche um Werbeanzeigen in ChatGPT kocht mal wieder über. In sozialen Netzwerken machten Screenshots die Runde, die angeblich Shopping-Links direkt im Chatverlauf zeigten. Sofort schrillten die Alarmglocken: Führt OpenAI jetzt doch aggressive Monetarisierung über Anzeigen ein, obwohl man bisher auf Abos setzte? Die Vorstellung, dass der KI-Chatbot plötzlich versucht, dir Laufschuhe zu verkaufen, kurz nachdem du nach den besten Marathon-Trainingsplänen gefragt hast, war für manche Nutzer wohl zu viel der Realität.

OpenAI reagierte postwendend, um das PR-Feuer einzudämmen. Die Einblendungen, so die offizielle Lesart, seien keine klassische Werbung, sondern missverstandene App-Integrationen oder "Vorschläge", die den Nutzungskomfort erhöhen sollten. Ein Feature, das sein Ziel verfehlt hat. Chief Research Officer Mark Chen musste eingestehen, dass sich diese Vorschläge wohl zu sehr nach Werbung anfühlten. Die Konsequenz: Man hat diese spezifischen "Suggestionen" vorerst deaktiviert, um die Präzision des Modells zu verbessern. Man könnte es auch so formulieren: Die KI hat zu früh angefangen, nach Geld zu fragen, und wurde dafür temporär auf die stille Treppe geschickt.

Gleichzeitig wird die Debatte von internen Turbulenzen überschattet. Gerüchte berichten, dass CEO Sam Altman einen internen „Code Red“ ausgerufen hat. Der Grund: Google hat mit Gemini 3 ordentlich vorgelegt und in der Tech-Community punkten können. Die Antwort von OpenAI ist eine radikale Konzentration auf das Kerngeschäft.

Das bedeutet: Diverse, ambitionierte Projekte sind vorerst pausiert. Dazu zählen, neben der konkreten Implementierung von Werbeanzeigen, auch spezielle KI-Agenten für Gesundheit und Shopping sowie das persönliche Assistenz-Tool „Pulse“. Man scheint erkannt zu haben, dass man nur ein Google in die Schranken weisen kann, wenn man nicht gleichzeitig versucht, ein Amazon, ein Fitbit und ein persönlicher Assistent zu sein. Priorität ist jetzt die Performance von ChatGPT.

Dass die Shopping-Integrationen, die für die aktuelle Verwirrung sorgten, auf einer strategischen Zusammenarbeit mit dem Zahlungsdienstleister Stripe basieren - Stichwort „Instant Checkout“ - zeigt aber, wohin die Reise prinzipiell gehen soll. Auch wenn Produkt-VP Nick Turley auf X (ehemals Twitter) versichert, es gäbe keine aktiven Live-Tests für Werbung und das Nutzervertrauen stehe im Vordergrund: Hinweise auf Anzeigen-Features wurden bereits in der Android-Beta im Code entdeckt. Die Werbung kommt, die Frage ist nur, wann und in welcher möglichst unsympathischen Form.

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