Die CES 2026 gleicht, wie schon ihre Vorgängerinnen, einer Dauerwerbesendung für künstliche Intelligenz. Während die Konkurrenz noch versucht, jedem Toaster eine NPU einzureden, hat Dell offenbar die Reißleine gezogen. Der Hersteller schwimmt gegen den Strom, indem er eine fast schon revolutionäre Erkenntnis teilt: Kunden kaufen Laptops, um damit zu arbeiten, nicht um das Wort „KI“ auf dem Gehäuse zu bewundern. Kevin Terwilliger, Produktleiter bei Dell, gab auf der Messe unumwunden zu, dass die Nutzer schlichtweg nicht wegen der KI-Fähigkeiten zum Geldbeutel greifen.
Das ist eine bemerkenswerte 180-Grad-Wende. Noch vor einem Jahr war Dell ganz vorne mit dabei, als es darum ging, jedes Pixel mit künstlicher Intelligenz zu taufen. Jetzt kehrt man reumütig zu etablierten Markennamen wie XPS zurück und lässt das Thema KI zwar in der Hardware drin - jedes neue Gerät hat die entsprechende Recheneinheit - hängt es aber nicht mehr an die große Glocke. Man könnte es Einsicht nennen, oder einfach die bittere Erkenntnis, dass ein weichgezeichneter Hintergrund in Teams-Calls für die meisten Menschen kein Grund ist, 1.500 Euro auszugeben.
Hinter den Kulissen scheint die Branche ohnehin schon länger zu wissen, dass der KI-Hype die Verkaufszahlen nicht so befeuert, wie man es sich in den Marketingabteilungen erträumt hat. Selbst Qualcomm, eigentlich der Vorreiter bei den Copilot+-PCs, musste feststellen, dass die Nutzer ihre Snapdragon-Geräte nicht wegen der Chatbots lieben, sondern weil sie endlich mal einen Arbeitstag ohne Steckdose überstehen. Lange Akkulaufzeiten sind eben ein greifbarer Vorteil, während Microsofts Paint-Generatoren eher in die Kategorie „einmal ausprobieren und dann vergessen“ fallen.
Es ist eine angenehme Ernüchterung, die Dell hier an den Tag legt. Während Microsoft weiterhin versucht, den Copilot in jede noch so kleine Nische von Windows zu pressen, besinnt sich ein Hardware-Riese darauf, was ein mobiles Arbeitsgerät eigentlich ausmacht. Die NPU wird damit zum technischen Standard im Hintergrund, ähnlich wie ein WLAN-Modul: Man setzt voraus, dass es da ist, aber man baut keine Kathedrale mehr drumherum. Wenn jetzt noch der Rest der Branche versteht, dass ein schneller Prozessor und ein gutes Display wichtiger sind als ein halluzinierender Schreibassistent, könnte 2026 doch noch ein vernünftiges Tech-Jahr werden.
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