Privatsphäre-Paradoxon: Google will deine Ausweisnummern, um dich zu schützen

Nadine Decker • 11.02.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Google erweitert das Tool „Ergebnisse über dich“: Jetzt lassen sich auch Ausweisnummern und Deepfakes einfacher aus der Suche entfernen. Alle Infos zum Update.
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Es klingt im ersten Moment wie ein schlechter Scherz aus der Abteilung für Datensicherheit: Um zu verhindern, dass deine sensibelsten Informationen im Netz herumschwirren, bittet dich Google darum, ihm genau diese Daten erst einmal zu geben. Pünktlich zum Safer Internet Day 2026 hat der Suchmaschinenriese seinem „Ergebnisse über dich“-Tool ein massives Upgrade spendiert. Bisher konnte man damit vor allem Telefonnummern, E-Mails oder die Privatadresse aus den Suchergebnissen fischen lassen. Ab sofort geht es (erstmal in Amerika) ans Eingemachte: Reisepassnummern, Führerscheindaten und Sozialversicherungsnummern.

Der Prozess ist dabei so simpel wie psychologisch herausfordernd. In den Einstellungen des Tools lässt sich nun ein Scan für Identifikationsnummern aktivieren. Damit Google aber weiß, wonach es in den dunklen Ecken des indexierten Webs suchen soll, braucht es einen Anhaltspunkt. Während man beim Führerschein die komplette Nummer angeben soll, begnügt sich Google beim Reisepass oder der Sozialversicherungsnummer mit den letzten vier Ziffern. Das reiche laut Google aus, um Übereinstimmungen auf Webseiten zu finden, ohne dass man das komplette digitale Kronjuwel auf den Google-Servern zwischenparken muss.

Natürlich verspricht Google dabei das volle Programm an Verschlüsselung und Sicherheitsstandards. Ob man dem „klugen Tech-Freund“ in Mountain View zutraut, diese Daten sicher zu verwahren, bleibt eine Vertrauensfrage. Der Nutzen ist jedoch klar: Sobald eine Seite auftaucht, die deine ID-Nummern im Klartext listet, schlägt das System Alarm und du kannst die Entfernung aus der Suche mit einem Klick beantragen. Wichtig bleibt dabei der technische Disclaimer: Google löscht die Daten nur aus dem Schaufenster der Suche. Auf der ursprünglichen Webseite bleiben sie bestehen, bis der dortige Admin sie entfernt.

Parallel dazu gibt es ein wichtiges Update beim Schutz gegen nicht-einvernehmliche explizite Inhalte (NCEI). Der Kampf gegen Deepfakes und KI-generierte Missbrauchsbilder ist durch den rasanten Aufstieg der Bild-KI zur Sisyphusarbeit geworden. Google hat den Meldeprozess nun deutlich beschleunigt. Über das Drei-Punkte-Menü bei Bildern lässt sich jetzt direkt melden, wenn man sich selbst auf expliziten Aufnahmen erkennt - egal ob real oder per KI erzeugt. Neu ist hier vor allem die Stapelverarbeitung, mit der man gleich mehrere Treffer auf einmal markieren kann, und die Option, proaktiv Filter für ähnliche zukünftige Suchen zu setzen. Es ist ein notwendiger Schritt in einer Welt, in der Photoshop-Kenntnisse durch einfache Text-Prompts ersetzt wurden.

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