Wer sich mit 14 Jahren für die E-Mail-Adresse „pika-pika-party@gmail.com“ entschieden hat, musste diesen digitalen Klotz am Bein bisher durch sein gesamtes Erwachsenenleben schleifen. Google verfolgte bei seinen hauseigenen @gmail-Adressen eine strikte Einmal-und-nie-wieder-Politik. Während Nutzer mit Drittanbieter-Logins ihre Mail-ID munter anpassen durften, herrschte für Gmail-Stammkunden lebenslange Bindung. Doch Google scheint nun ein Herz für die Jugendsünden seiner Nutzer zu haben und öffnet die Tür für eine Adressänderung.
Der Mechanismus hinter dem Wechsel ist angenehm pragmatisch gelöst. Du tauschst deinen alten Benutzernamen gegen einen neuen aus, ohne dass dein digitales Leben implodiert. Deine ursprüngliche Adresse wird dabei nicht einfach gelöscht, sondern als Alias in dein Konto integriert. Das bedeutet konkret: Du bist unter dem neuen Namen erreichbar, aber die Rechnungen und Newsletter, die noch an die alte Adresse gehen, landen weiterhin zuverlässig in deinem Posteingang. Auch der Login funktioniert mit beiden Varianten, was den Übergang schmerzfrei gestaltet.
Wie bei Google üblich, kommt die neue Freiheit nicht ohne das Kleingedruckte daher. Wer unter chronischer Unentschlossenheit leidet, sollte sich den neuen Namen gut überlegen. Einmal gewechselt, sperrt Google die Änderungsfunktion für volle 12 Monate. Zudem ist die Anzahl der Namensänderungen auf insgesamt drei begrenzt. Wer also nach vier Versuchen immer noch nicht zufrieden ist, muss wohl oder übel bei seiner Wahl bleiben. Dass die alte Adresse dauerhaft mit dem Konto verknüpft bleibt und nicht für andere Nutzer freigegeben wird, ist aus Sicherheitsgründen sinnvoll, verhindert aber auch, dass man seine digitale Vergangenheit komplett tilgt.
Ein kleiner Schönheitsfehler bleibt in der Matrix: Kalendereinträge, die vor der Umstellung erstellt wurden, zeigen unter Umständen weiterhin die alte Adresse an. Google nennt das eine schrittweise Einführung. Das ist die übliche Umschreibung dafür, dass die Funktion bei dem einen schon in den Kontoeinstellungen unter „Persönliche Informationen“ auftaucht, während der andere noch ein paar Tage oder Wochen mit seinem alten Alias ausharren muss. Es ist jedenfalls ein längst überfälliger Schritt in Richtung digitaler Selbstbestimmung, auch wenn Google uns dabei wie gewohnt ein enges Regelkorsett umschnürt.
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