Lange galt Linux als Nerd-Spielplatz - funktional, aber nichts für Gamer. Diese Zeiten sind vorbei. Laut neuen Daten der Plattform ProtonDB lassen sich mittlerweile fast 90 Prozent aller Windows-Spiele unter Linux starten und spielen. Ein Rekordwert, der zeigt: Der Pinguin ist endgültig auf der Spielewiese angekommen.
Der Aufstieg war alles andere als selbstverständlich. Noch 2012 gab es auf Steam nur rund 50 native Linux-Titel. Heute listet ProtonDB über 15.000 Spiele als lauffähig, während Valves Deck-Verified-System mehr als 21.000 Titel als „spielbar“ einstuft. Viele davon laufen nicht nur fehlerfrei, sondern teilweise sogar besser als unter Windows. Besonders ältere DirectX-9-Spiele profitieren von Valves Proton-Kompatibilitätsschicht, die Windows-Befehle über das Vulkan-Grafiksystem effizienter umsetzt.
Technisch möglich machen das zwei Open-Source-Projekte: Wine und Proton. Wine übersetzt seit 1993 Windows-Systemaufrufe in Linux-kompatible Befehle. Proton, 2018 von Valve vorgestellt, ergänzt das Ganze um moderne Komponenten wie DXVK, das DirectX-Grafikbefehle in Vulkan übersetzt. Das Ergebnis: Tausende Windows-Spiele laufen unter Linux wie native Anwendungen - oder gelegentlich sogar flüssiger.
Ganz ohne Hürden geht es aber nicht. Anti-Cheat-Systeme wie jene in Valorant oder Battlefield 6 blockieren den Start unter Linux weiterhin, da sie tief ins Betriebssystem eingreifen. Auch bei DRM-Mechanismen wie Denuvo bleibt es ein Glücksspiel. Dennoch haben sich Anti-Cheat-Anbieter wie BattlEye und Easy Anti-Cheat in den letzten Jahren deutlich geöffnet und unterstützen Linux offiziell.
Der wahre Gamechanger war allerdings das Steam Deck. Die Handheld-Konsole läuft mit SteamOS, einer Linux-Variante, und verkaufte sich millionenfach. Für Entwickler ist Linux dadurch plötzlich ein echter Markt geworden - und wer auf dem Steam Deck laufen will, muss zwangsläufig kompatibel sein.
Was früher nach Terminal-Bastelei klang, ist heute fast Plug-and-Play. Gaming unter Linux ist nicht mehr nur möglich, sondern komfortabel - und für viele Windows-Abtrünnige längst Alltag.
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