Die Gamescom 2026 erreicht einen neuen Höchststand: Erstmals sind alle verfügbaren Standflächen in den Kölner Messehallen vergeben. Die Brutto-Ausstellungsfläche bleibt mit rund 233.000 Quadratmetern auf dem Niveau des Vorjahres. Innerhalb dieser Fläche nehmen Messestände jedoch so viel Platz ein wie noch nie. Die Gamescom findet vom 26. bis 30. August 2026 statt.
Für Besucher klingt das zunächst nach mehr Spielen, mehr Hardware und mehr Präsentationen. Ganz so einfach ist die Rechnung allerdings nicht. Ausgebucht bedeutet vor allem, dass die Nachfrage der Aussteller die verfügbaren Flächen vollständig ausschöpft. Ob dadurch tatsächlich mehr frei zugängliche Spielstationen entstehen, hängt von der Gestaltung der einzelnen Stände ab.
Mehr Aussteller bedeuten nicht automatisch weniger Platz für Fans
Die Gamescom besteht nicht nur aus der Entertainment Area für Privatbesucher. Zur Messe gehören auch Fachbesucherbereiche, Länderpavillons, Entwicklerangebote, Merchandising und weitere Formate. Ein Teil der zusätzlichen Belegung kann deshalb in Bereichen stattfinden, die für gewöhnliche Tagestickets nur eingeschränkt relevant sind.
Die Behauptung, frühere Hallen seien mit neutralen Platzhalterflächen gefüllt worden, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht eindeutig ableiten. Belastbar ist lediglich: Die vermietete Standfläche ist 2026 größer als in allen bisherigen Jahren.
Für die Aufenthaltsqualität verfolgen die Veranstalter bewusst keine Strategie, die auf immer neue Besucherrekorde zielt. 2025 kamen rund 357.000 Menschen nach Köln. Das lag über dem Vorjahr, aber weiterhin unter dem bisherigen Rekord von 373.000 Besuchern aus dem Jahr 2019. Laut dem Branchenverband Game soll die Zahl nicht unbegrenzt steigen, damit Hallen und Laufwege nutzbar bleiben.
Die Gamescom wird zum wichtigsten globalen Branchentreffpunkt
Der Flächenrekord zeigt vor allem, wie stark die internationale Bedeutung der Gamescom gewachsen ist. 2025 nahmen 1.568 Aussteller teil. Für 2026 lag die Zahl der Anmeldungen bereits zum Ende der Frühbucherphase 15 Prozent über dem Vorjahreswert. Die endgültige Ausstellerzahl steht noch nicht fest. Zu den angekündigten Unternehmen gehören unter anderem Nintendo, Xbox, Tencent und Ubisoft.
Vom Ende der E3 profitiert die Gamescom ebenfalls. Die Kölner Messe verbindet Geschäftskontakte, Medienaufmerksamkeit und direkten Community-Zugang in einem Format. Für Publisher und Plattformanbieter ist das interessanter als eine reine Fachmesse ohne großes Publikum.
Der Messeerfolg macht Deutschland noch nicht zum starken Produktionsstandort
Die Gamescom ist international erfolgreich, doch deutsche Studios spielen auf dem heimischen Markt weiterhin eine vergleichsweise kleine Rolle. Zwischen 2018 und 2024 stieg die Zahl der Games-Unternehmen in Deutschland zwar von 524 auf 948. Der Umsatz der Branche erreichte 3,73 Milliarden Euro und die Zahl der Beschäftigten rund 14.800. Trotzdem entfielen zuletzt nur etwa 5,5 Prozent der deutschen Ausgaben für Spiele auf Produktionen aus Deutschland.
Das Problem liegt weniger an fehlenden Spielern als an den Produktionsbedingungen. Deutschland ist ein großer Absatzmarkt, aber für aufwendige Entwicklungsprojekte oft teurer und schlechter planbar als internationale Standorte. Wiederholte Änderungen und Unterbrechungen bei der Games-Förderung haben diese Unsicherheit verstärkt. Seit 2026 stehen dem Bund jährlich 125 Millionen Euro für die Förderung zur Verfügung. Der Branchenverband fordert zusätzlich steuerliche Anreize, wie sie andere Produktionsländer bereits einsetzen.
Eine gute Vorbereitung bleibt wichtiger als die Ausstellerzahl
Durch die volle Belegung dürfte die Auswahl an Ständen groß sein. Daraus folgt jedoch nicht zwangsläufig, dass die Gänge voller werden als bisher. Entscheidend sind die verkauften Tickets, die Hallenplanung und die Verteilung besonders gefragter Spiele.
Wer nach Köln fährt, sollte interessante Stände vorab markieren und für große Titel längere Wartezeiten einplanen. Der Samstag ist mit 41 Euro der teuerste reguläre Besuchertag. An den übrigen Publikumstagen kostet das Tagesticket 31,50 Euro. Abendtickets ermöglichen ab 16 Uhr einen günstigeren Zugang.
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