Europäische Unternehmen und Behörden wollen ihre Abhängigkeit von amerikanischen Cloud-Konzernen reduzieren. Dabei geht es nicht nur um den Speicherort von Daten. Entscheidend sind auch Zugriffsrechte, technische Abhängigkeiten und die Frage, welchem Recht ein Anbieter unterliegt.
Die Schwarz Gruppe (die Mutter von Lidl und Kaufland) positioniert ihre Digitalsparte Schwarz Digits als europäische Alternative zu AWS, Microsoft Azure und Google Cloud. Der neue Campus in Bad Friedrichshall soll dafür die technischen Teams an einem Standort bündeln. Er wurde am 21. Juli 2026 offiziell eröffnet.
Der Campus ist vor allem eine Personalstrategie
Cloud-Plattformen entstehen nicht allein durch neue Rechenzentren. Schwarz Digits benötigt Softwareentwickler, Sicherheitsexperten, Cloud-Architekten und KI-Fachkräfte. Genau hier setzt der Campus an.
Auf dem 15,5 Hektar großen Gelände stehen rund 3.500 Arbeitsplätze zur Verfügung. Die fünf terrassenförmig angeordneten Gebäudekomplexe bieten insgesamt Platz für bis zu 5.500 Beschäftigte. Hinzu kommen eine Kindertagesstätte mit 280 Plätzen, ein Fitnessstudio, Gastronomie sowie große Grünflächen. Mehr als 3.000 Bäume und Sträucher wurden auf dem Areal gepflanzt.
Das erinnert an die Campusmodelle großer US-Technologiekonzerne. Der Zweck ist jedoch weniger spektakulär, als es die Architektur vermuten lässt: Schwarz Digits will Fachkräfte gewinnen, halten und unterschiedliche Produktteams enger zusammenbringen.
Die wichtigsten Zahlen zum Standort
- Geländefläche: 15,5 Hektar
- Gebäude: fünf Komplexe im ersten Bauabschnitt
- Arbeitsplätze: rund 3.500
- Kapazität: bis zu 5.500 Beschäftigte
- Kita: 280 Plätze
- Begrünung: fast die Hälfte des Areals
- Bepflanzung: mehr als 3.000 Bäume und Sträucher
Erweiterungsflächen sind bereits vorgesehen. Einen konkreten Termin für einen zweiten Bauabschnitt nennt das Unternehmen bislang nicht.
Stackit ist der entscheidende Teil der Strategie
Der Campus allein macht Schwarz Digits noch nicht zum Hyperscaler. Entscheidend ist die Cloud-Plattform Stackit. Sie entstand ursprünglich für die IT-Anforderungen der Schwarz Gruppe mit Lidl und Kaufland. Inzwischen werden die Cloud- und Infrastrukturleistungen auch externen Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern angeboten.
Stackit wirbt mit europäischer Datenhaltung und der Kontrolle über zentrale Teile der technischen Infrastruktur. Damit adressiert der Anbieter Kunden, die sensible Daten nicht bei einem US-Konzern verarbeiten möchten oder aufgrund regulatorischer Vorgaben nach europäischen Alternativen suchen.
Zum Portfolio von Schwarz Digits gehören neben der Cloud auch Cybersecurity-Angebote und weitere digitale Dienste. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte die Sparte einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Das entsprach einem Wachstum von 16 Prozent, das laut Unternehmensangaben wesentlich durch die steigende Nachfrage nach Cloud-Lösungen getragen wurde.
Eine Alternative ist Stackit noch nicht in jeder Disziplin
AWS, Azure und Google Cloud verfügen über globale Rechenzentrumsnetze, sehr breite Softwareportfolios und große Entwickler-Ökosysteme. Stackit kann diese Reichweite derzeit nicht abbilden.
Die Stärke des Anbieters liegt stattdessen in einem engeren Profil: europäische Infrastruktur, regionale Ansprechpartner und ein Fokus auf regulatorisch sensible Kunden. Für Behörden, kritische Infrastrukturen und Unternehmen mit hohen Anforderungen an Datenkontrolle kann das wichtiger sein als die größte Auswahl an Cloud-Diensten.
Schwarz Digits baut diese Infrastruktur weiter aus. In Lübbenau entsteht bis Ende 2027 ein neues Rechenzentrum. Die geplante Investition von elf Milliarden Euro ist nach Angaben des Unternehmens die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Schwarz Gruppe.
Der Campus in Bad Friedrichshall ist deshalb nicht der Beweis, dass Europa bereits einen eigenen Hyperscaler besitzt. Er zeigt aber, dass die Schwarz Gruppe Personal, Infrastruktur und Kapital langfristig auf dieses Ziel ausrichtet.
Kommentare (0)