Deutschland digitalisiert seine Ämter - aber nur im Schneckentempo

Michi Neumann • 23.09.2025
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
90 % wünschen sich digitale Behördenleistungen - doch Deutschland hinkt weiter hinterher.
Amt

Neun von zehn Menschen in Deutschland wollen Verwaltungsleistungen endlich online erledigen können. Klingt nach einem klaren Auftrag, oder? Laut einer Bitkom-Umfrage bleibt die Realität aber weit hinter diesem Wunsch zurück. Nur 13 Prozent haben jemals eine Leistung digital beantragt - der Rest stapft weiter ins Amt, Stempel abholen inklusive.

Die Analyse des Verbands zeigt immerhin Bewegung: Von 579 Verwaltungsleistungen sind 343 inzwischen digital verfügbar. Das heißt aber nicht, dass man sie auch in jeder Kommune nutzen kann. Nur 165 sind tatsächlich flächendeckend online abrufbar. Rund 230 Leistungen warten noch immer auf ihre digitale Geburt - obwohl das Online-Zugangsgesetz von 2017 genau das längst vorgeschrieben hätte. Eigentlich sollten bis Ende 2022 alle 575 Leistungsbündel online sein. Stand heute: weit gefehlt.

Besonders bitter sind die sogenannten Fokusleistungen - also die 13 Services, die Bürger am häufigsten nachfragen. Digital flächendeckend nutzbar sind bisher gerade mal zwei: Bürgergeld und Einbürgerung. In nur zehn Prozent der Kommunen lassen sich alle 13 online erledigen. Für Basics wie Ausweis verlängern oder Führerschein beantragen bedeutet das: weiter Schlange stehen.

Technische Pannen tragen ihren Teil zur Misere bei: Zwölf Prozent der Bürger scheiterten laut Umfrage beim Online-Versuch und mussten dann doch persönlich antanzen. Beratung brauchen hingegen nur acht Prozent - der Rest würde liebend gern digital bleiben. Ironischerweise läuft der digitale Behördenkontakt in der Praxis oft auf das Buchen eines Termins hinaus, um danach wieder in der Wartehalle Platz zu nehmen.

Die Geduld der Bürger schwindet. 85 Prozent klagen über zu lange Bearbeitungszeiten, nur 37 Prozent sind mit Online-Angeboten zufrieden. Gefordert wird mehr Geld für die Digitalisierung, ein stärkerer Datenaustausch zwischen Behörden und klarere Zuständigkeiten - gerne auch mit mehr Einfluss des Bundes. Ob die aktuelle Regierung das schafft? Nur die Hälfte glaubt daran.

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