Deutschland baut Rechenzentren wie verrückt - und hinkt trotzdem hinterher

Christian Palm • 10.11.2025
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Deutschland baut Rechenzentren im Rekordtempo, hinkt aber international weiter hinterher. Der KI-Boom zeigt: Tempo fehlt vor allem in der Politik.
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Künstliche Intelligenz sorgt nicht nur für Schlagzeilen, sondern auch für Stromspitzen. Laut einer neuen Bitkom-Studie wächst die Rechenzentrumsleistung in Deutschland bis 2030 um rund 70 Prozent - von aktuell knapp 3000 auf über 5000 Megawatt. KI-Rechenzentren legen dabei besonders heftig zu: von 530 auf 2020 Megawatt. Kurz gesagt - wer Serverräume baut, hat derzeit keine Langeweile.

Die Branche investiert 2024 so viel wie nie zuvor: 12 Milliarden Euro fließen in Hardware, 3,5 Milliarden in Gebäude und Infrastruktur. Insgesamt laufen hierzulande etwa 2000 Rechenzentren mit mindestens 100 Kilowatt Anschlussleistung, darunter 100 Großanlagen über 5 Megawatt. Trotzdem wirkt der internationale Vergleich ernüchternd: Die USA verfügen schon heute über das Zehnfache der Kapazität, die Deutschland erst für 2030 anpeilt - und bauen jedes Jahr mehr, als hierzulande insgesamt existiert.

Das Wachstum wird klar von der Cloud getrieben. Ihr Anteil hat sich seit 2019 fast verdoppelt - von 29 auf 49 Prozent. Klassische Rechenzentren verlieren an Bedeutung, Edge-Zentren bleiben mit 240 Megawatt eine Fußnote. Parallel steigt der Strombedarf unaufhaltsam: 2025 werden laut Studie 21,3 Milliarden Kilowattstunden erwartet, gegenüber 12 Milliarden im Jahr 2015. Wenigstens verbessern sich die Server selbst - rund 26 Prozent Effizienzgewinn pro Jahr zwischen 2017 und 2022.

Frankfurt ist das Rechenzentrums-Mekka des Landes, mit rund 1100 Megawatt Leistung. Dahinter folgen Bayern und NRW. Neue Projekte entstehen vor allem im Nordosten: Brandenburg (geplant 888 MW) und sogar Mecklenburg-Vorpommern (bis 1000 MW).

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder fordert, dass Politik und Verwaltung beim Thema Rechenzentren endlich „all in“ gehen. Zu viel Bürokratie, zu teurer Strom, zu wenig Mut. Sonst bleibt Deutschland das Land, das KI-Modelle entwickelt - und sie dann lieber in Oregon oder Shenzhen laufen lässt.

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